Die Planungen zur Modernisierung der City sahen in Göttingen seit den 1930er/40er Jahren vor, die Stadt autofreundlich zu gestalten. Parkplätze und breite Zufahrtsstraßen sollten es Kunden ermöglichen, möglichst bequem zu den Geschäftsstraßen zu gelangen. Dies wurde zunächst mit der Einrichtung der Fußgängerzone nicht anders, denn sie umfasste zu Beginn lediglich die zentralen Straßen der Stadt: Die Weender Straße und die Groner Straße sowie angrenzende Winkel. Es war sogar geplant, das Johannisviertel für einen Busbahnhof abzureißen. Der Waageplatz diente in diesem Szenario hauptsächlich dazu, die Zahl der Stellplätze für die Blechkutschen zu erhöhen. Auch viele Werktätige parkten hier, etwa Beschäftigte des Landgerichts (und später der Staatsanwaltschaft).

Orthofoto des Maschviertels von 1971 auf https://stadtplan.goettingen.de. Die „Parkplatzmeile“: Synagogenplatz, Waageplatz, ehemaliges Reitstall-Gelände.
Durch den Bau von Parkhäusern am Groner Tor und in der Hospitalstraße entspannte sich die Situation etwas. Durch den Erfolg der Fußgängerzone und das wachsende Bewusstsein für die Bedeutung der Innenstadt innerhalb des Walles als gewachsene städtebauliche Einheit in ihrer Gesamtheit rückten nun die peripheren Plätze in das Bewusstsein der Stadtplaner: Der Wilhelmsplatz und der Waageplatz, die 1978 bzw. 1979 in „Schmuckplätze“ und „grüne Oasen“ umgewandelt wurden. Der Wilhelmsplatz diente wie der Waageplatz hauptsächlich als Parkplatz, obwohl sich hier mit der Aula der Universität eines der repräsentativsten historischen Gebäude der Stadt erhob. Das Gerichtsgebäude am Waageplatz wirkt mit seiner romanisierenden Fassade nicht weniger imposant. So entschloss man sich, die Freiflächen in neue, attraktive Freizeiträume zu verwandeln: Parks statt Parkplätze, hieß nun die Devise. Die Planungskonzepte der späten 1980er Jahre betonen, dass damit die Anziehungskraft der Stadt auf Konsumenten gestärkt werden sollte. Ein wichtiges Ziel war also die Bindung der Kaufkraft, wobei Göttingen namentlich mit Kassel konkurriere, das für seine barocken Parkanlagen berühmt ist (Karlsaue, Bergpark). Im Planungsleitbild 1988 wurden die Grundsätze für die Baupolitik folgendermaßen formuliert: Es solle alles erhalten, angesiedelt und gefördert werden, was zur Lebendigkeit der Stadt beitrage (S. 10). Dies bedeute „Vielfalt in jeder Beziehung, Unterbringung aller denkbaren Nutzungen und Tätigkeiten“ sowie „größtmögliche Erlebnisdichte“, um zu verhindern, dass die Attraktivität der Innenstadt für ihre Bewohner und den Fremdenverkehr sinke. Weiterlesen










