Soziales Zentrum – Ort gelebter Gemeinschaft

…statt Verkauf der ehem. JVA an einen Investor aus Braunschweig.

Als Forum Waageplatz-Viertel haben wir uns mit dem Gesundheitskollektiv Göttingen e.V. und den Falken OV Göttingen zusammengeschlossen. Nachdem wir uns vor drei Jahren mit unseren Ideen für die ehem. JVA in städtische Planungsprozesse eingebracht haben, kann ein Soziales Zentrum nun Wirklichkeit werden.

Die Stadt Göttingen hat die beantragten Fördergelder aus dem Bund-Länder-Programm Soziale Stadt/Sozialer Zusammenhalt (für die ganze nördliche Innenstadt) bewilligt bekommen. Der Rat der Stadt Göttingen hatte in diesem Zuge bereits 2019 notwendige Investitionen als erforderliche Eigenmittel für die JVA bereitgestellt – nun könnte es losgehen.

Doch aktuell wollen die Oberbürgermeisterin und die Mehrheitsfraktionen im Stadtrat die ehem. JVA lieber an einen Privatinvestor verkaufen. Für die Nördliche Innenstadt würde das weitere soziale Verdrängung aufgrund von Gentrifizierung bedeuten, für Göttingen einen weiteren, unnötigen Verlust von Handlungsspielraum.

Unterstützt daher unsere Petition:
Soziales Zentrum statt Gentrifizierung durch Privatinvestor!

Zeitzeuginnenbericht zum Brand der Synagoge in den Maschstraßen 1938

Als die Synagoge einem Brand zum Opfer fiel war das Jahr 1938, mein Mann war da 8 Jahre alt. Er hat mir erzählt, dass er immer die Männer mit Kippa oder schwarzen hohen Hüten und den hervorguckenden Locken gesehen hat, wenn diese am Haus vorbeikamen. Die Eltern haben ihm erklärt, das wäre eine Tracht die diese Männer tragen würden. Über den Brand wurde von den Eltern erklärt, da war ein Brandstifter am Werk. Sicher hat es auch hierüber einen Zeitungsbericht gegeben, aber als gerade eingeschultes Kind, hatte man zu der Zeit noch kein Interesse bzw. auch kein Radio um so etwas verfolgen.

Mein Mann hatte etliche jüdische Schulkameraden und einen ganz besonderen Schulfreund, über diesen hat er berichtet. Die Schulstunde (Lutherschule) hatte schon begonnen, da kam der Freund mit geröteten Augen in die Klasse und wollte sich für seine Verspätung entschuldigen. Der Klassenlehrer, Herr Albrecht, hat sich zur Tafel gedreht und mit brüchiger Stimme gesagt: Du musst jetzt leider wieder nach Hause gehen, Du darfst nicht mehr in unserer Klasse bleiben, die Eltern bekommen Bescheid. Dieser Freund hat dann nochmal fürchterlich an zu weinen gefangen, in der Klasse wäre es totenstill gewesen, jedoch Herr Albrecht hat dann ohne Kommentar den Unterricht fortgesetzt. Durch Fragen und erzählen in der Familie, wurde erklärt, dass Leute mit einem anderen Glauben jetzt an einer Stelle gesammelt würden, weil dieser Glauben und die Lebensführung nicht in das Leben von Deutschland passen könnte.

Leider fällt mir im Moment nicht der Name des besagten Freundes ein, ich weiß nur, dass die Jungen sich aus Holz Seifenkistenauto gebaut hatten und dann den Wall als Abfahrtstart usw. benutzt haben, da gab es ja auch kaum Autos.

Eine der wenigen (Beinahe-)Zeitzeugen aus den Maschstraßen erzählt..

Die Masch-Straßen um 1945

Die Masch-Straßen wurden in Göttingen vergleichsweise stark zerstört, aber offenbar kamen nur wenige Menschen zu schaden: Beim Gebhards Hotel gab es im Wall einen Bunker, in den sich die meisten Bewohner retteten. Luftschutzkeller wie in anderen Stadtviertel gab es nicht, weil die Häuser in den Masch-Straßen durch den feuchten Untergrund nicht unterkellert waren. Mehrere Erdbunker befanden sich beim Bahnhof, für die Passagiere von Zügen, die keine großen Bunker mehr erreichen konnten. Sie waren allerdings nicht so sicher. Eine der wenigen (Beinahe-)Zeitzeugen der Bombardierung der Maschstraßen, Helga Schmidt, heiratete zwar erst 1953 in die Masch ein, kann aber noch die Erlebnisse ihres Mannes Herbert Schmidt berichten. Er war trotz seines jungen Alters (geboren 1930) Luftschutzwart und überlebte den Angriff nur knapp. Er lief durch die Berliner Straße, als er sah, wie die Bomber ihre verderbliche Last ausklinkten. Den Bunker erreichte er nicht mehr, sondern ging an der Wallmauer in Deckung. Durch die Wirkung der Bomben wurde er beinahe vom Schutt begraben. Seine Eltern überstanden den Angriff in dem Bunker im Wall. Helga Schmidt kennt die Masch-Straße nur, wie sie in Trümmern lag. Ihr Sohn fuhr am Wall-Aufgang damals Schlitten, wie sie sich erinnert. Ab 1955 wurden die Häuser wieder aufgebaut. Die Familie H., die in der Nr. 16 wohnte, räumte vorher schon den Schutt etwas beiseite; die Hinterhäuser waren ja teilweise noch bewohnbar. Mehrere der Häuser stehen noch heute, etwa hinter Haus Nr. 14, 20 und 21. Auf der gegenüber liegenden Seite steht ebenfalls noch ein Hinterhaus. Die Häuser bestehen meist aus Fachwerk und umgeben einen schmalen Hof. Ursprünglich enthielten sie Werkstätten und Ställe. Im Norden der Unteren Masch waren die niedrigen, ein- bis zweigeschossigen Vorderhäuser offenbar schon im späten 19. bis frühen 20. Jahrhundert durch mehrstöckige, hohe Neubauten ersetzt worden. Die Eltern von Herbert Schmidt waren Schuster; auf alten Fotos ist noch das Ladenschild am Haus Nr. 1 zu erkennen. Sie gehörten zur ursprünglichen Verband der Maschgemeinde, die 1938 aufgelöst wurde. Die Gemeinde war aus dem Dorf Burggrone entstanden, dessen Bewohner im 14. Jahrhundert an den Hasengraben und Mitte des 15. Jahrhunderts an die Maschstraßen umgesiedelt worden waren. Der Gemeindeverband, eine sogenannte Realgemeinde, besaß zuletzt Wälder und Wiesen zwischen dem Hagenweg und Knutbühren, die meist verpachtet waren. Die Einkünfte wurden unter den Mitgliedern der Gemeinde verteilt. Als letztes stieß 1937 der Malermeister Garbode zu dem Verband, nachdem er die Aufnahmegebühr bezahlt hatte. Die Zugehörigkeit zu der Gemeinde war an den Besitz bestimmter Häuser gebunden: Kaufte jemand ein solches Haus, konnte er Teilhaber in dem Verband werden. – Hinten stieß das Haus der Schmidts gegen eine Schlachterei in der Goetheallee. Helga Schmidt erinnert sich noch, wie der Schlachter mit seinem Hundegespann durch die Masch-Straße fuhr, da der Schlachthof im Bereich des heutigen Landgerichts stand.

Stand: 16.6.2022 – Dr. Thomas Küntzel M.A.

Kurzkonzept: Soziales Zentrum in der ehemaligen JVA

Soziales Zentrum – für die nördliche Innenstadt und ganz Göttingen

Das Soziale Zentrum in der ehem. JVA am Platz der Synagoge stärkt den sozialen Zusammenhalt in der nördlichen Innenstadt und bereichert das gesellschaftliche Miteinander in Göttingen.

Das Soziale Zentrum bietet als teil-öffentlicher, unkommerzieller Ort Möglichkeiten für Anwohner*innen, Bürger*innen aus ganz Göttingen und Besucher*innen unserer Stadt – es ist gelebte Gemeinschaft.

Nutzung – Angebote und Zielgruppen

Im Sozialen Zentrum ist unter einem Dach Raum für:

Solidarisches Gesundheitszentrum

  • Medizinische Grundversorgung im Sinne hausärztlicher und pädiatrischer Versorgung, psychologischer Versorgung, Sozialer Arbeit (z.B. Einzelfallhilfe) und aufsuchender Gesundheitsförderung
  • niedrigschwelliger Zugang, gleichberechtigt-vernetzte Angebote, begleitet-kurze Vermittlungswege
  • Gemeinwesenarbeit mit Gesundheitsfokus, Entwicklung eines breiten Spektrums an präventiven und gesundheitsförderlichen Angeboten mit dem Ziel der Verbesserung sozialer Determinanten von Gesundheit
  • Wissenschaftliche Begleitung, forschungsbasierte Evaluation und Qualitätssicherung
    (Kooperation mit Georg-August-Universität und HAWK wird angestrebt)
  • Seminarräume für Veranstaltungen zur Gesundheitsförderung und Fortbildungen
  • Ort zum multiprofessionellen Austausch, für Verwaltung und Öffentlichkeitsarbeit

Begegnung, Selbstorganisation, Unterstützung

  • inklusives, selbstorganisiertes Café für alle Nutzer*innen des Sozialen Zentrums,
    Ort der Begegnung und des niedrigschwellige Zugangs zu Beteiligung und Unterstützung
  • Nachbarschaftsvernetzung und Selbstorganisation mit z.B. Eltern-Kind-Treff, Bewältigung von Behördenangelegenheiten, Hausaufgabenbetreuung, Allgenerationen-Nachmittag, Familienfeiern
  • Selbsthilfegruppen, Offene Mietberatung, Sozialberatung u.a.

Kinderorte

  • Kinderbetreuung und ggf. Tagespflege, inklusive Gruppen für Kinder mit und ohne Fluchterfahrung
  • Gruppenräume für Kinder und Vernetzung in der Innenstadt
  • nachhaltige Mitgestaltung des Stadtteils

Ausstellungen am Platz der Synagoge

  • jüdisches Leben in Göttingen und der Region mit Emigration, Geschichte der Synagoge, Gegenwart, allgemeine Migrationsgeschichte in Göttingen nach 1945, Erinnerungskultur nach 1945, aktuelle Erfahrungen von Antisemitismus, Rassismus sowie Perspektiven gelebter Solidarität
  • wechselnde Ausstellungen von Göttinger Künstler*innen mit Raum der Stille
  • Gefängnisgeschichte des Gebäudes, Alltags- und Sozialgeschichte von Insass*innen und Personal, Repressionsgeschichte

Trägerschaft und Finanzierung

Die Immobilie bleibt im Besitz der Stadt Göttingen, die Nutzung erfolgt im Mietverhältnis.
Ein Trägerverein Soziales Zentrum ist Partner für die Stadt Göttingen.

Planung: 60.000 Euro (Fördermittel), Einbindung Öffentlichkeit/weiterer Nutzer*innen
Sanierung: 5,6 Mio Euro (Fördermittel) bei 4.000€/qm, ggf. Eigenleistung z.B. Beschäftigungsförderung

Kontakt
kontakt@sozialeszentrum.de

Das Soziale Zentrum wird getragen von:
Gesundheitskollektiv Göttingen e.V.
Sozialistische Jugend – Die Falken OV Göttingen
Forum Waageplatz-Viertel

In Zusammenarbeit mit: Geschichtswerkstatt Göttingen e.V.
Ideell unterstützt von: Göttinger Bündnis zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus

(Stand: 09.05.2022)

Städtische Pläne für die ehem. JVA – Soziales Zentrum wäre passgenaue Lösung

Mit dem Sozialen Zentrum würden insbesondere die Ziele der Städtebauförderprogramme „Soziale Stadt“ / „Sozialer Zusammenhalt“ sowie die Ergebnisse der „Vorbereitenden Untersuchung Soziale Stadt Nördliche Innenstadt“ für das größte Einzelprojekt, die ehem. JVA, berücksichtigt. Der Rat der Stadt Göttingen hatte bereits 2019 ein Finanzierungsmodell verabschiedet, mit dem die benötigten Fördergelder gewonnen werden konnten.

Förderprogramme Soziale Stadt und Sozialer Zusammenhalt

Städtebauliche Investitionen „sollen in den Gebieten zu mehr Nutzungsvielfalt, Generationengerechtigkeit und Familienfreundlichkeit führen sowie Bildungschancen, Integration und gesellschaftlichen Zusammenhalt aller Bevölkerungsgruppen stärken (…).“ (Programmstrategie Soziale Stadt, S. 17)

VU und IEK zu Nördlicher Innenstadt

Eine Vielzahl von Nutzer/innen und Bewohner/innen mit verschiedener Herkunft, unterschiedlichen Alters und vielfältigen Hintergründen prägt die nördliche Innenstadt. Mit dem Leitbild Im Urbanen zuhause – eine Innenstadt für alle‘ soll sie mit den Menschen vor Ort als Raum für Austausch und Begegnung, für Wohnen, Arbeiten und Verweilen weiterentwickelt werden.“ (VU IEK Nördl. Innenstadt 2019, S. 95)

VU und IEK zur ehem. JVA

Die ehem. JVA wird Raum für Begegnung, Beratung und Miteinander – lebendige Nachbarschaft und Engagement finden hier Platz.“ (VU IEK Nördl. Innenstadt 2019, S. 99)

In der Machbarkeits- und Wirtschaftlichkeitsstudie sollen die Eignungen für verschiedene Nutzungsszenarien, bspw. für soziokulturelle, nachbarschaftliche und museale Zwecke sowie für Wohnen geprüft werden. Dazu gehört in einem ersten Schritt die Ermittlung des Bauzustands und Prüfung von Umbaumöglichkeiten im Einvernehmen mit den Denkmalschutzbehörden sowie die Ermittlung der notwendigen technischen und rechtlichen Anforderungen. Des Weiteren sind verschiedene Betreiber- und Trägerschaftsmodelle, die eine langfristig wirtschaftliche Nutzung gewährleisten, zu prüfen. Als Grundlage dient eine Bedarfsermittlung und Standortanalyse zu potenziellen Nutzer*innen und Nutzungen, die das Ziel eines nachbarschaftlichen Quartiersbezugs sichern.“ (Sanierungsgebiet Nördl. Innenstadt 2021, S. 15)

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Sozialer Zusammenhalt in Nördlicher Innenstadt: Vorbereitende Untersuchung mit integriertem Entwicklungskonzept

Die vom Rat der Stadt Göttingen verabschiedeten Papiere sind/waren auf der Webseite der Stadt abrufbar.

Vorbereitende Untersuchungen mit integriertem Entwicklungskonzept für die nördliche Innenstadt, 16.01.2019

Angepasstes Sanierungsgebiet Nördliche Innenstadt, 19.11.2020

Sanierungsgebiet „Nördliche Innenstadt“ – Überarbeitung der Vorbereitenden Untersuchung und des Integrierten Entwicklungskonzepts zur Überführung in die Städtebauförderkulisse „Sozialer Zusammenhalt – Zusammenleben im Quartier gemeinsam gestalten“, 02.2021

Zwischenzeitlich wurde auf Bundesebene das Förderprogramm „Soziale Stadt“ in das Städtebauförderprogramm „Sozialer Zusammenhalt“ überführt. Es verfolgt die Ziele, die Wohn- und Lebensqualität sowie die Nutzungsvielfalt in den Quartieren zu erhöhen, die Integration aller Bevölkerungsgruppen zu unterstützen und den Zusammenhalt in der Nachbarschaft zu stärken.

 

 

PM: Soziales Zentrum in der ehemaligen JVA – Kurzkonzept zur weiteren Entwicklung

Das Bürger*innenforum Waageplatz-Viertel (Anwohner*innen-Initiative) stellt für die kommende Entwicklung und Nutzung der ehemaligen JVA in der Obere-Masch-Straße 9 sein Konzept vor. In dem Gebäude und auf dem Gelände soll ein Soziales Zentrum entstehen. Vor dem Hintergrund des Programms „Soziale Stadt in der nördlichen Innenstadt“ engagiert sich das Bürger*innenforum bereits seit Jahren für eine transparente und beteiligungsorientierte Gestaltung der ehem. JVA sowie des gesamten Stadtteils.

In dem Konzept für ein Soziales Zentrum werden die herausragende Lage der ehem. JVA für das Waageplatz-Viertel, der Standort innerhalb des Stadtwalls sowie die Bahnhofsnähe und der nordwestliche Zugang zur Innenstadt berücksichtigt. Mit dem Sozialen Zentrum wird die Landschaft bereits etablierter Zentren mit Schwerpunkt Kultur wie z.B. KAZ und musa und Schwerpunkt Soziales wie z.B. Haus der Kulturen um eine wichtige Facette in der Innenstadt erweitert.

In dem Sozialen Zentrum soll Raum für Nachbarschaft und Miteinander, Erinnerung und Begegnung, Kreativität sowie Beratung und Unterstützung entstehen. Anteilig kann auch sozial leistbarer Wohnraum geschaffen werden. So sind im Erdgeschoss (Nordflügel) bspw. eine Dauerausstellung mit Bezug zum Platz der Synagoge sowie Wechselausstellungen und Veranstaltungen z.B. zum Themenbereich Ausgrenzung/Solidarität vorgesehen. Im Mitteltrakt des Erdgeschosses, den ehemaligen Zellen, kann sich eine Dauerausstellung zur kritischen Aufarbeitung der Geschichte der JVA Göttingen und deren Eingliederung in allgemeine Gefängnisgeschichte anschließen. Im Südflügel inkl. Ausbau des südlichen Innenhofs könnte das Nachbarschaftszentrum entstehen.

Das Bürger*innenforum Waageplatz-Viertel sieht in seinem Konzept einen konkreten Diskussionsbeitrag zur Entwicklung der nördlichen Innenstadt im Rahmen des Programms Soziale Stadt. In öffentlicher Debatte, einem noch zu gründenden Unterausschuss und einer geplanten Machbarkeitsstudie sollen die Pläne für ein Soziales Zentrum weiter konkretisiert werden. Bzgl. der Nutzung der ehem. JVA ist das Bürger*innenforum Waageplatz-Viertel bereits mit Initiativen wie Gedenkbündnis „27. Januar“ an die Opfer des NS, Geschichtswerkstatt Göttingen e.V. oder Queeres Zentrum im Gespräch. Weitere Initiativen, die am Aufbau des Sozialen Zentrums Interesse haben und sich ggf. an einer Trägerstruktur beteiligen würden, sind weiterhin herzlich eingeladen, sich am Prozess zu beteiligen.

„Uns ist wichtig, dass die zukünftige Nutzung der ehem. JVA gemeinsam mit den verschiedenen Interessengruppen offen diskutiert und gestaltet wird. Planungen in Hinterzimmern helfen uns nicht weiter. Als Initiative von AnwohnerInnen sehen wir in einem Sozialen Zentrum die große Chance, Menschen mit ihren Möglichkeiten, Plänen und Wünschen zusammenzubringen. Auch wenn es vielleicht etwas absurd klingt, wenn wir an die ehem. JVA denken – aber einschließen statt ausschließen ist hier genau der richtige Ansatz,“ erklärt Cyrille Franke.

Wir über uns:
Das Bürger*innenforum Waageplatz-Viertel ist seit März 2017 eine Anwohner*innen-Initiative in der nordwestlichen Innenstadt rund um die Straßen Obere-Masch-Str., Untere-Masch-Str., Goetheallee, Reitstallstraße, Am Leinekanal, Mühlenstr. … Wir haben wöchentliche Treffen, beteiligen uns an der Gestaltung unseres Viertels, tauschen uns mit Nachbar*innen, Politik, Verwaltung aus, setzen uns für konsequente Verkehrsberuhigung ein, haben Spaß bei Straßenfesten und wehren uns gegen soziale Verdrängung durch z.B. steigende Mieten. Beim laufenden Programm „Soziale Stadt für die nördliche Innenstadt“ bringen wir uns von Beginn an mit unseren Ideen aktiv ein und wollen zur Umsetzung des Programms u.a. im Unterausschuss mitarbeiten.

Bürger*innenforum Waageplatz-Viertel, 29. Oktober 2019

Anlage
Soziales Zentrum in der ehem. JVA – Konzept, 20191017

PM: Kalte Entmietung der BewohnerInnen der Unteren-Masch-Str. 13 nach Kauf durch Coreo Real Estate

Das Bürger*Innenforum Waageplatzviertel kritisiert die Coreo Real Estate scharf für Ihr Vorgehen in der Unteren-Masch-Str. 13 und stellt sich an die Seite der Bewohnerinnen und Bewohner.
Nach dem Verkauf des Mehrparteienhauses in der Unteren-Masch.Str. 13 durch Meyer Immobilien an die Coreo Real Estate haben sich die Bedingungen für die BewohnerInnen zugespitzt.

Coreo plant das Haus zu sanieren und muss hierfür die aktuellen AnwohnerInnen entmieten. Eine rechtliche Basis gibt es dafür allerdings nicht, denn ein Sanierungsplan alleine ist kein ausreichender Kündigungsgrund. Daher greift die Coreo Real Estate zu anderen Mitteln und versucht über wiederholte Aufforderungen, sich schnellstmöglich eine neue Wohnung zu suchen und verschleppte Reparaturen Druck auf die BewohnerInnen auszuüben. Diese zeigen sich verunsichert und wütend.

„Das ist wirklich das letzte. Ich wohne hier schon seit vielen Jahren und jetzt werde ich hier raus geekelt!“ so eine Betroffene über die aktuellen Vorgänge. Es werde gezielt ein Klima der Angst geschürt und ausgenutzt, dass sich manche der hier Wohnenden nicht so gut mit Ihren Rechten als Mieterinnen und Mieter auskennen. „Das Angebot, man würde mir den Umzug auch zahlen wenn ich nur schnell ginge fühlt sich wie eine Bestechungsversuch an!“ so die Bewohnerin.

Das Bürger*innenforum Waageplatzviertel unterstützt die BewohnerInnen in Ihrem Kampf gegen Verdrängung. „Uns ist wichtig, dass in diesem Viertel weiterhin ein soziales und nachbarschaftliches Zusammenleben möglich ist. Das profitorientierte und unsoziale Handeln der Coreo Real Estate stellen hierfür eine erhebliche Gefahr dar.“ so Fabian Reineke vom Bürger*Innenforum. „Gemeinsam können wir uns gegen solche Prozesse verteidigen und der Coreo Real Estate entgegentreten. Wir lassen unsere NachbarInnen nicht im Stich und stehen gemeinsam dafür ein, dass das hier ein buntes Viertel bleibt!“

Bereits in den im letzten Jahren waren im Viertel durch einen anderen privaten Investor mehrere Häuser aufgekauft worden und deren Bewohner zum Auszug genötigt worden. Daraufhin wurden die Wohnungen in kleine Einzelappartements umgebaut, um insgesamt mehr Miete abzuschöpfen.
Das Vorgehen der Coreo Real Estate ist keineswegs ein Einzelfall, dass nur unser Viertel betrifft. Gezielt hat Coreo schon an anderen Orten Liegenschaften mit Sanierungsrückständen aufgekauft, so alleine auch in Göttingen Appartements in der Groner Landstraße 9-9a, im Maschmühlenweg 4-6, im Hagenweg 20-20a und in der Sollingstraße 3. Nach den geplanten Luxussanierungen erhofft sich die Firma eine drastische Wertsteigerung, für die jetzigen AnwohnerInnen ist dann kein Platz mehr. (Siehe Artikel im GT vom22.04.19 „Frankfurter Investor kauft 430 Apartments in Göttingen“)

Bürger*innenforum Waageplatz-Viertel, 5.5.19

Redebeitrag zum Aktionstag: Stoppt den Mietenwahnsinn! Gemeinsam gegen Verdrängung (06.04.19, Göttingen)

Bürger*innenforum Waageplatz: Redebeitrag Mietenwahnsinn stoppen

Liebe Göttingerinnen und Göttinger,

wir vom Bürger*innenforum Waageplatz kämpfen nun seit einigen Jahren in unserem Viertel für eine soziale und ökologische Stadtentwicklung. Unsere Initiative hat sich gegründet, als die Stadt die ehemalige JVA am Waageplatz in ein Hostel umwandeln wollte, was auf massiven Protest unsererseits gestoßen ist. Seitdem beschäftigen wir uns in der Nachbarschaft damit, wie wir in unserem Viertel zusammenleben wollen und wie wir es schaffen, dass unsere Wünsche von der Stadt gehört werden. Die nördliche Innenstadt, wozu auch das Waageplatzviertel gehört, ist mittlerweile Teil des Programmes „Soziale Stadt“, welches Landesgelder beinhaltet, die nun für eine Veränderung des Viertels eingesetzt werden sollen. Wir sehen in diesen Geldern die Chance, eine Veränderung des Viertels zu erwirken, was nicht zu sozialen Verdrängungsmechanismen, massiven Mietsteigerungen und anonymen Luxusbauten führt, sondern das Viertel stärkt, Wünsche von den Bewohner*innen aufnimmt und Orte der Begegnung schafft. So ist unsere Vision, in der ehemaligen JVA ein Nachbarschaftszentrum zu schaffen, um so Vernetzung und Austausch der Nachbarschaft zu stärken. In der Stockleffmühle könnte ein soziales Café entstehen, dass sich nicht nur die Gutverdienenden leisten können, sondern ein Ort ist, an dem alle teilhaben können. Was wir auf jeden Fall nicht brauchen, ist die nächste große, anonyme Kette, die es in jeder beliebigen Großstadt gibt.

Auch im Waageplatzviertel sehen wir die Tendenz, dass dort immer mehr Großinvestor*innen Häuser kaufen; genannt seien beispielhaft Vonovia und Coreo Real Estate. Die Folge davon sind wie im bundesweiten Trend zu sehen, Luxussanierungen die zu massiven Mietsteigerungen und Verdrängung führen, eine zunehmende Vereinzelung durch Einzelapartments und damit einhergehende Prekarisierung der Wohn- und Lebensverhältnisse vieler Menschen – kurz: einen Umgang mit Wohnraum als Grundlage des Lebens, dass jeglicher sozialen und menschenwürdigen Perspektive widerspricht. Seit ca. einem Jahr bieten wir daher einmal im Monat eine offene und kostenlose Mietberatung an. Dort können konkrete Fragen an den anwesenden Rechtsanwalt gestellt werden und die Mieter*innen können sich vernetzten und austauschen. Denn allein ist es oft schwer, den Mut zu finden, sich gegen Immobilienhaie zur Wehr zu setzten. Deshalb ist das Mietcafé einerseits ein Ort, um sich Wissen anzueignen und seine Rechte zu kennenzulernen, und so trotz schwerverständlicher Briefe und juristischer Kniffe sich handlungsfähig zu machen. Andererseits ist es ein Ort um Erfahrungen auszutauschen, sich gegenseitig zu helfen und Mut zu machen in dem Wissen, dass man nicht allein ist!

Wir wollen das Recht auf gutes und bezahlbares Wohnen weiter einfordern und wir werden mit unseren Konzepten und Ideen weiterhin zeigen, dass eine soziale und ökologische Stadtentwicklung möglich und nötig ist!