Das Hauptgebäude der Landeskorrektionsanstalt und des Arbeitserziehungslagers Breitenau befand sich im Mittelschiff der einstigen Klosterkirche.

Exkursion der AG Geschichte des Viertels zur Gedenkstätte Breitenau


Am 21. Juni 2026 reiste die AG Geschichte zur Gedenkstätte Breitenau bei Guxhagen südlich von Kassel. Dort türmten sich zwar die Gewitterwolken, aber die Führung begann auch zunächst in einem Seminarraum in der alten Zehntscheune, die mit ihren hoch aufragenden Treppengiebeln schon von der Autobahn aus zu sehen ist. Der Historiker Marius Heidel erläuterte hier die Entwicklung der Institutionen in Breitenau vom preußischen Landesarbeitshaus über das nationalsozialistische KZ und Arbeitserziehungslager bis zum geschlossenen „Mädchenerziehungsheim“ für „schwer erziehbare“ junge Frauen nach dem Zweiten Weltkrieg. Es wurde erst 1973 geschlossen, fast hundert Jahre nach dem Einzug der ersten „Korrigenden“ (1874) in das einstige Benediktinerkloster. Danach folgte ein Rundgang um und durch die Klosterkirche, die das Hauptgebäude der Anstalt bildete. Durch das Querhaus, das heute noch von der Gemeinde Guxhagen als Kirche genutzt wird, ging es in den Häftlingshof und dann in den Westbau der Kirche, in welchen 1874 ein massives Treppenhaus eingebaut wurde. Von hier aus gelangt man zu den Duschen, die in den 1920er Jahren im Erdgeschoss des Langhauses installiert wurden. Auf halber Treppe befindet sich seitlich die Isolierzelle und im ersten Obergeschoss ein Ausstellungsraum, wo gerade eine Wanderausstellung zu den frühen Konzentrationslagern besichtigt werden kann. Schließlich erhielten wir im Seminarraum Einblick in ausgewählte Häftlingsakten, die trotz des geringen Umfangs viel über den Umgang mit den Menschen, ihre Schicksale und die Hintergründe ihrer Verhaftung verraten. Im Obergeschoss befindet sich zudem eine Dauerausstellung mit einem Klostermodell und eindringlichen Kunstinstallationen, die an das Leid der Insassen erinnern sollen.


Bestraft für Armut

Die verschiedenen Einrichtungen in Breitenau haben große Ähnlichkeit zu einem Gefängnis, obwohl die wenigsten Insassen nach heutigem Verständnis etwas „verbrochen“ hatten, außer, dass sie arm waren und sich mit Bettelei am Leben hielten, als Vagabunden umherzogen oder auf andere Art und Weise nicht in das vorherrschende Ideal des ortsgebundenen, „werktätigen Menschen“ passten, der sich mit einem „ordentlichen“ Beruf seinen Lebensunterhalt verdiente. In Breitenau sollten diese Personen durch Zwangsarbeit und strengste Disziplin zu einer „geordneten“ Lebensführung „erzogen“ werden. Der Anstaltsalltag war durch Schikane, Demütigungen und Elend geprägt. Breitenau war gefürchtet wegen seiner ruppigen Aufseher, die darauf auch noch stolz waren. Die Zustände dort sind für die Geschichte des Maschviertels insofern von Interesse, weil sich im Gerichtsgefängnis (der späteren JVA) zunächst ebenfalls mehrere „Vagabunden-Zellen“ befanden. Über die Menschen, die dort eingesperrt worden sind, ist bisher aber nichts bekannt.


Die Räume haben sich teilweise noch im Originalzustand erhalten

Während die Gebäude des einstigen Arbeitshauses und KZ Moringen, die im November 2023 Ziel einer Exkursion der Geschichts-AG waren, auch heute noch für den Maßregelvollzug genutzt werden, steht das Hauptgebäude der Landeskorrektionsanstalt Breitenau weitgehend leer. Wie erwähnt, haben sich sogar noch die originalen Duschen erhalten. Was zunächst als eine Errungenschaft gelten konnte, wurde ab 1933 zur Schikane verkehrt: Statt warmem Wasser wie zuvor, kam nur noch kaltes Wasser aus der Leitung. Die Duschen wurden überdies zum Bestandteil eines entwürdigenden Begrüßungsrituals: Die Neuankömmlinge mussten sich entkleiden,wurden unter die kalte Dusche getrieben und dann mit Gummiknüppeln nackt ins Freie gejagt. Alle privaten Dinge nahm man ihnen vorher ab. So schuf man einen harten Einschnitt, der den Insassen ihre alte Persönlichkeit nahm und jeglichen Stolz und Widerstandsgeist brach.

Die Isolierzelle nebenan, ein enger, hoher Raum mit einer alten Toilette und einem hochgelegenen, vergitterten Fenster, erinnert an die Zellen in der ehemaligen JVA in Göttingen. An der Wand haben sich noch Graffiti erhalten, etwa die Skizze des Anstaltsleiters, der immer eine Melone trug und Zigarre rauchte, oder Linienbündel, mit denen die Häftlinge die Tage zählten. Allerdings saßen viele Insassen keine festen Strafzeiten ab, sondern ihre Aufenthaltsdauer lag willkürlich in der Hand der Anstaltsleitung. Meist kamen sie nicht vor einem oder zwei Jahren aus den Klostermauern hinaus, während des Dritten Reiches sogar zunehmend gar nicht mehr, denn für viele Häftlinge führte der Weg dann in ein Konzentrations- oder Vernichtungslager.


Sonntägliche Konfrontation mit der „freien“ Gemeinde

Die Insassen des Arbeitshauses und des Arbeitserziehungslagers nahmen auch an den Gottesdiensten im östlichen Teil der einstigen Klosterkirche teil. Sie saßen im nördlichen Querhaus, in nächster Nachbarschaft zu den „freien“ Gemeindegliedern. Ähnlich wie im Zuchthaus Celle, kam es auch hier allwöchentlich zu einer direkten Konfrontation der ortsansässigen Bevölkerung mit den „Korrigenden“. Auch sonst gab es zahlreiche „Kontaktstellen“ zwischen der Anstalt und der Bevölkerung der umliegenden Orte – das Landesarbeitshaus war also keineswegs isoliert. Die zuletzt 38 Aufseher und Oberaufseher kamen aus den umliegenden Dörfern. In der Kasseler Presse wurde etwa 50 Mal die Einrichtung von Konzentrationslagern thematisiert; das Arbeitslager Breitenau wurde als beispielhaft vorgeführt und über eine „Weihnachtsfeier“ berichtet.


Umfangreiches Archivmaterial liefert erschreckende Einblicke

Die gründliche Aufarbeitung der Geschichte des NS-Arbeitserziehungslagers und des preußischen Arbeitshauses war möglich aufgrund archivalischer Glücksfälle, durch die sowohl eine Großteil der Fallakten als auch die Gefangenenaufnahmebücher erhalten blieben. Außerdem werden einzelne Schicksale auch durch andere Dokumente erhellt. Das Schicksal der jüdischen Ärztin Lilly Jahn aus Kassel wird durch hunderte Briefe lebendig, die sie aus der Haft an ihre Kinder schrieb (und diese ihr eifrig antworteten). Die Briefe sind der Hauptbestandteil eines Spiegel-Bestsellers, den einer ihrer Enkel, Martin Doerry, verfasste. Lilly Jahn sah die Freiheit nicht wieder, sondern starb im Konzentrationslager Auschwitz. Für das Gerichtsgefängnis Göttingen hat sich aus der Zeit des Nationalsozialismus nur das Gefangenenbuch von 1943/44 erhalten. Darin taucht der Name „Breitenau“ ebenfalls mehrmals auf: mindestens zwei weibliche Gefangene wurden dorthin abtransportiert – Emma W. aus Wiensen (Abtransport am 16. März 1944) und Lina R. aus Steinke (Abtransport am 20. April 1944). Was mit ihnen in Breitenau geschah, konnte noch nicht ermittelt werden, ebenso der Grund ihrer Verhaftung. Allerdings wurde damals nicht mehr besonders zwischen den Korrigenden des Arbeitshauses, den Häftlingen des Arbeitserziehungslagers und „strafgefangenen“, weiblichen Häftlingen unterschieden; sie nahmen die Mahlzeiten gemeinsam ein und schliefen gemischt (lediglich streng nach Geschlechtern getrennt). Ohnehin waren die Gebäude gegen Ende des Krieges völlig überbelegt, die Situation chaotisch.


Gedenkstättenarbeit ist bitter nötig

In der Gedenkstätte Breitenau wird seit vierzig Jahren nicht nur gründlich die Geschichte der Institutionen erforscht, sondern auch Schulklassen und anderen Besuchergruppen vorbildlich vermittelt. Dies ist umso nötiger, als in den ersten Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg das Verdrängen vorherrschte: Die Gräber der Insassen auf dem Anstaltsfriedhof wurden z.B. ohne das Wissen der Angehörigen auf die Burg Ludwigstein transloziert – dort waren sie „aus dem Blick“. Die Opfer einer Erschießungsaktion zum Ende des Krieges erhielten nur einen anonymen Gedenkstein ohne Hinweis auf die Tat selbst, der jetzt am Weg zur Klosterkirche aufgestellt wurde. Erschreckend: Im nahe gelegenen Ort Oberaula trafen sich noch 1984 Angehörige der Waffen-SS, Division Totenkopf, unter dem Decknamen „Urlaubergemeinschaft Ilmensee“. Ein Aktionsbündnis, das sich dagegen engagierte, stieß auf Widerstand in der örtlichen Bevölkerung, die sich mit den „alten Kameraden“ solidarisierte und dem antifaschistischen Bündnis aus DGB, Jusos, Grünen, der DKP und Verfolgten des Naziregimes (VVN) unterstellte, Terror zu befürworten. Die Arbeit der Gedenkstätte wird vom Hessischen Landeswohlfahrtsverband unterstützt, der als Inhaber der Liegenschaft dort weiterhin Wohngruppen mit psychisch kranken Menschen betreibt (die aber längst „offen“ sind). Derzeit werden die Gebäude teilweise renoviert.

Literaturhinweise

Wolfgang Ayaß, Das Arbeitshaus Breitenau. Bettler, Landstreicher, Prostituierte, Zuhälter und Fürsorgeempfänger in der Korrektions- und Landarmenanstalt Breitenau (1874-1949) (Diss. Kassel 1992). – online: https://urn.fi/urn:nbn:de:hebis:34-2008101524505

Gunnar Richter, Das Arbeitserziehungslager Breitenau (1940-1945). Ein Beitrag zum nationalsozialistischen Lagersystem (Diss. Kassel 2004). – online: https://d-nb.info/972184406

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein abgelegt am von .

Gemeinsame Fahrt – meldet euch an

Führung durch die KZ-Gedenkstätte Breitenau
(mit Akteneinsicht)

In Breitenau befand sich während der Zeit des Nationalsozialismus ein KZ und Arbeitserziehungslager unter der Leitung der Gestapo Kassel. Heute ist dort eine Gedenkstätte. Die Einrichtung war in einem ehemaligen Kloster aus dem 12. Jahrhundert untergebracht. Ab Ende des 19. Jahrhunderts, war dort ein Landesarbeitshaus. Während des Dritten Reiches wurden mehrfach Häftlinge aus dem Gerichtsgefängnis in der Obere-Masch-Straße in Göttingen nach Breitenau deportiert.

Um Autos organisieren zu können, benötigen wir ungefähr einen Überblick, wie viele Personen mitkommen möchten. Eine baldige Rückmeldung wäre daher sehr hilfreich!

Um einen solidarischen Beitrag für Fahrt und Führung wird gebeten.

Anmeldung unter: geschichte@waageplatz-viertel.org

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein abgelegt am von .

Viertelflohmarkt und Sonnenschein

…und weil es so schön war, steht auch schon fest, wann der nächste Viertelflohmarkt ist:
am Samstag, 5. September 🙂

Vor unserem Nachbarschaftstreff in der Untere-Masch-Str. 21 gab es nicht nur einen roten Teppich, sondern auch den Kaffee-Kuchen-Stand, eine Biene und andere Besonderheiten, einen Spendenkasten für Khanum, Infos zu unserer organisierten Nachbarschaft und viele schöne Begegnungen und Gespräche.

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein abgelegt am von .

Eine von uns – brutale Abschiebung unserer Freundin und Nachbarin Khanum

Am 18. März 2026 war Khanum mit ihrer Anwältin bei einem Anhörungstermin des Asylfolgeverfahrens in Friedland. Beide wurden sofort in einen Raum im Keller gebracht. Nachdem Khanum ihr Handy weggenommen wurde, wurde die schwerkranke 55-jährige Frau brutal an Händen und Füßen gefesselt. Über Frankfurt wurde Khanum nach Yerevan (Armenien) abgeschoben und dort ohne Brille, ohne Geld und ohne Papiere abgesetzt. In Armenien wird Khanum von ihrem gewalttätigen Ehemann mit dem Tode bedroht (Wir dokumentieren hier die ausführliche Rekonstruktion der Ereignisse vom 18.03.26).

Redebeitrag des Forum Waageplatz-Viertel zur Demonstration am 26.03.2026.

Wir sind heute hier, weil wir traurig sind, denn unsere Freundin und Nachbarin Khanum fehlt uns. Wir sind heute hier, weil wir wütend sind, denn deutsche Behörden haben unsere Freundin und Nachbarin Khanum gewaltvoll und schikanierend nach Armenien abgeschoben. Wir sind heute hier, weil wir um unsere Freundin und Nachbarin fürchten, denn ihr Leben ist jetzt bedroht

Wir sind das Forum Waageplatz-Viertel. Wir organisieren uns als Nachbar:innen rund um den Waageplatz. Nachbar:in ist für uns nicht nur, wer im Viertel lebt, sondern auch, wer sich viel im Viertel aufhält. So steht es in unserem Selbstverständnis. Khanum ist unsere Freundin und Nachbarin, denn wir haben zusammen gekocht, gelacht, demonstriert, gebacken, Gemeinschaft gelebt. Eine von uns ist jetzt nicht mehr hier. Khanum wurde aus ihrem Leben gerissen, sie ist jetzt nicht mehr in Sicherheit. Wir fragen die, die sie gefesselt und gewaltsam abgeschoben haben: Wie würdet ihr es finden, wenn ihr selbst, eure Freundinnen, Schwestern, Mütter, Töchter, Nachbarinnen verschleppt, gefesselt, gedemütigt und in Gefahr gebracht werden? Khanum ist Teil unserer Gemeinschaft, und sie wurde uns von den Behörden und den Menschen, die dort arbeiten, entrissen. Khanum, du fehlst uns!

Als Nachbar:innen stehen wir füreinander ein und organisieren uns für eine vielfältige Gesellschaft, in der Menschen ohne Angst und Einsamkeit leben können. Das bedeutet, dass wir uns gegen strukturelle Diskriminierung wehren: Khanum wurde abgeschoben, weil Behörden entscheiden wollen, wer hier hingehört und wer nicht. Sie wurde abgeschoben, weil die rechten Forderungen nach mehr Abschiebungen Gehör finden, und weil Behörden an bedrohten Menschen wie unserer Freundin ein Exempel statuieren wollen. Sie wollen zeigen, dass sie die Schwächsten gegeneinander ausspielen. Dazu sagen wir: Das ist rassistische Politik! Das ist falsch! Denn wir wissen: Frieden und Sicherheit entstehen nicht durch Abschiebung, sondern dadurch, dass wir füreinander sorgen. Khanum ist eine von uns!

Wir vermissen Khanum und wir machen uns Sorgen, denn ihre Abschiebung bedeutet, dass sie in großer Gefahr ist. Sie wird von ihrem Ehemann in Armenien bedroht und ist chronisch krank. Abschieben ist unmenschlich! Wir müssen um Khanums Leben fürchten, weil sie eine Frau ist, und weil sie chronisch krank ist. Der Bericht von Human Rights Watch zeigt, dass diese Sorgen sehr begründet sind: die allermeisten Fälle von Gewalt gegen Frauen gelangen in Armenien nicht einmal vor Gericht, die Versorgung für chronisch Kranke ist unzureichend.
Wir organisieren uns für eine Welt, in der das nicht mehr passiert, in der nicht Frauen bedroht werden, weil sie Frauen sind, in der nicht Jesid:innen verfolgt werden, weil sie Jesid:innen sind, und in der wir füreinander sorgen, wenn Menschen krank sind. Wir organisieren uns für eine Welt, in der jeder Mensch in Sicherheit und Würde leben kann. Dafür brauchen wir solidarische Gemeinschaften. Und darüber kann keine Behörde entscheiden.

Wir fordern: Stoppt die rassistischen Abschiebungen! Holt Khanum zurück! Holt Yacinta zurück!

—–


Redebeitrag der FLINTA*-Vernetzung des Forum Waageplatz-Viertels

Unsere Freundin Khanum ist nach Deutschland gekommen, um der Gewalt ihres Ehemanns zu entkommen. Jetzt wurde sie brutal festgenommen und abgeschoben in das Land, in dem ihr Gewalt oder sogar Tod drohen.

Wir sind traurig und wütend, weil unserer Freundin so etwas unmenschliches angetan wurde. Khanum ist eine lustige, fürsorgliche und tatkräftige Frau. Sie wird hier von vielen vermisst!

Doch in einem Moment wie diesem müssen wir uns auch klar machen, dass Abschiebungen nicht nur dann Gewalt sind, wenn diese so offensichtlich ist. Und, dass Abschiebungen nicht nur dann falsch sind, wenn dadurch ein wunderbarer Mensch aus unserer Mitte gerissen wird.

Deshalb möchten wir Ausschnitte aus dem Text „Abschiebung ist immer Gewalt“ von Aktivisti Zoa aus Würzburg mit euch teilen:

„Gewalt ist nicht nur die Anwendung von Schlagstöcken und Fesseln bei Abschiebungen.
Gewalt ist auch die Drohung, die monatelang als Angst im Menschen lebt. Das Warten auf Briefe, die Panik bei jedem Klingeln, das Vermeidungsverhalten, schlaflose Nächte.
Gewalt ist die Polizei, die frühmorgens die Wohnung stürmt, das Zerreißen von Familien, das zu Unrecht einsperren in Abschiebehaft. Gewalt ist, wenn die Polizei in Schulen kommt und Kinder aus Klassen zeiht oder Menschen von ihrem Arbeitsplatz oder Anhörungstermin verschleppt.
Gewalt ist der Zwang: Du gehst, ob Du willst oder nicht! Gewalt ist Duldung, in der sich Menschen ewig befinden, ohne Sicherheit, ohne Perspektive. Menschen in den Flieger setzen und in ein Land schicken, in dem sie in Gefahr sind, ist Gewalt.

Abschiebungen sind Gewalt und diese Gewalt ist nicht zufällig. Sie hat eine Funktion. Sie soll abschrecken, disziplinieren, Angst erzeugen. Nicht nur bei den Menschen, die abgeschoben werden, sondern bei allen, die lernen sollen: Sei leise. Fall nicht auf. Nimm keine Rechte in Anspruch. Und wenn möglich: Komm gar nicht erst!

[…] den gesamten Redebeitrag mit dem Text von Zoa gibt es hier

Solange Abschiebungen existieren, ist das hier keine wirkliche Demokratie, sondern ein Zwei-Klassen-System. In dem Grundrechte für die einen praktisch einklagbar und für die anderen jederzeit wiederrufbar sind. Das ist mit demokratischer Gleichheit nicht vereinbar.

Zudem dürfen wir eines nicht vergessen: Die Ursachen von Flucht sind oft von uns mitproduziert. Klimakrise, Kriege, wirtschaftliche Not und politische Instabilität stehen in Zusammenhang mit deutscher und europäischer Politik. Wer diese Ordnung mitgestaltet, trägt Verantwortung.“

Deshalb lasst uns jetzt gemeinsam laut sein. Insbesondere für die, die nicht gehört werden.

—–

Wir dokumentieren hier auch:
Redebeitrag des Nachbarn und Freundes Helmut
Redebeitrag des AK Asyl

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein abgelegt am von .

Sonnenkekse und Umzug: Frühling im Viertel am 24. März

Am 24. März war im Waageplatz-Viertel wieder einmal Feiertag. Wir haben den Frühling begrüßt und gleichzeitig den 9. Geburtstag unserer organisierten Nachbarschaft gefeiert.

Der Frühlingsbeginn steht auch im Waageplatz-Viertel für Aufbruch in ein neues Jahr, in dem wir als Nachbarschaft mehr denn je unseren Zusammenhalt stärken und selbstbestimmt, solidarisch und verbunden vorangehen wollen.

Bereits am Vortag wurden fleißig Sonnen gebacken, um sie an Frühling im Viertel an Nachbar:innen zu verschenken. Es wäre ein schönes Brauchtum, doch das Verschenken von selbstgebackenen und -gebastelten Sonnen fand in diesem Jahr zum ersten Mal(!) statt – es wird sich in den nächsten Jahren erst noch zeigen, wie der Tag im Viertel begangen wird. Dabei war es schon ganz wunderbar. Gemeinsam ging es mit einem Umzug durchs Viertel, es wurden Frühlingslieder und das Nachbarschaftslied gesungen – und dabei die Sonnenkekse verteilt und gegessen.

Auf dem Weg durchs Viertel gab es auch eine kurze Erzählung von der Geburtsstunde unserer Nachbarschaftsorgansierung. Am 24.03.17 fanden sich Nachbar:innen mit ihren Schildern und Ideen vor der leeren, alten JVA zusammen (s. Titelbild der Webseite). Die Botschaft an Politik und Verwaltung war unmissverständlich: Die JVA soll für den Zusammenhalt in Viertel und Stadt genutzt werden. Diese Forderung ist heute noch aktuell und hat mit dem Projekt des Sozialen Zentrums mittlerweile ein klares Ziel.

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein abgelegt am von .

Auf zum Nachbarschaftsblock am 8. März

Gemeinsam mit Nachbar*innen aus den Stadtteilinitiativen Gemeinsam in Grone und Nachbarschaftsinitiative Nordstadt/Weende gehen wir vom Nachbarschaftstreff zur Demo am Albaniplatz.
Bei der Demo wollen wir zum ersten Mal in einem Nachbarschaftsblock präsent sein.

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein abgelegt am von .

Pflege- und Sorgearbeit im Masch-Viertel

Einladung zum historischen Rundgang mit der AG Geschichte
Sonntag, 1. März, 15 Uhr, Start am Nachbarschaftstreff

In fünf Stationen rund um die Untere- und Obere-Masch-Straße werden uns Traudel Weber-Reich und Thomas Küntzel einen Einblick in die Geschichte der Pflege- und Sorgearbeit im Viertel geben. Darin werden wir uns u. a. mit den Fragen beschäftigen: Wer war die freie Hebamme Louise Sebode in der Unteren-Masch-Straße? Und was berichtete die Krankenpflegerin Agnes Karll über die Anfänge der beruflichen Pflege im Ernst-August-Hospital?

Anlässlich des Internationalen Frauentages wollen wir auf die kaum beachtete Geschichte und Abwertung der Pflege- und Sorgearbeit aufmerksam machen. Und auf die zentrale Bedeutung der Fürsorge, ohne die eine Gesellschaft nicht funktionieren würde. Auch werden wir einen Einblick in die Arbeit von Kore e.V. bekommen.

Der Rundgang wird ca. 90 Min. dauern. Für alle, die nicht gut zu Fuß unterwegs sind, werden wir Sitzmöglichkeiten mitnehmen. Bei Fragen meldet euch gerne unter geschichte@waageplatz-viertel.org Wir freuen uns auf euer Kommen!

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein abgelegt am von .

Deine Unterstützung, Dein Direktkredit für das erste Nachbarschaftshaus in unserem Viertel

Als Nachbarschaft im Waageplatz-Viertel wollen wir gemeinsam mit den Bewohner:innen der Mühlenstraße 2 das Haus kaufen, in dem sie leben. Denn ihr Zuhause – das grüne Haus mit Türmchen am Leinekanal – soll verkauft werden.

Das für den Bankkredit benötigte Eigenkapital bauen wir über Direktkredite auf. Unser Finanzplan zeigt: Kredite und Zinsen werden nach dem Kauf aus den Mieteinnahmen getilgt. Und wem gehört das Haus dann? Der Nachbarschaft!

Wir suchen Menschen, die uns bei der Stärkung von sozialem Wohnen und solidarischer Nachbarschaft mit einem Direktkredit unterstützen.

Wie vielerorts fallen auch im Waageplatz-Viertel immer mehr Immobilien in die Hände von Investoren, die Häuser als reine Profitquelle sehen. In der Folge werden Nachbar:innen verdrängt, die hier verwurzelt sind und gerne in nachbarschaftlicher Gemeinschaft zusammenleben wollen.

Mit unserem Verein Unser Viertel e.V. und unserer zukünftigen Unser Haus im Viertel GmbH wollen wir Häuser für die Nachbarschaft kaufen. Nach dem Modell des Mietshäuser Syndikats werden die Häuser dadurch unverkäuflich, sie können nicht mehr privatisiert werden, niemand kann sich bereichern. Gleichzeitig werden die Häuser von den Menschen selbst verwaltet, die darin wohnen.

Alle Infos zu unserem Vorhaben und wie wir das mit den Direktkrediten machen, findet ihr hier: emzwo.unser-viertel.de.

Gemeinsames Singen für Frauen, Trans- und nicht-binäre Personen – So 25.01. 17 Uhr

Liebe Nachbar*innen und Freund*innen,

wir laden alle Frauen, Trans*- & nicht-binären Personen ganz herzlich zum Nachbarschaftssingen ein.

Gemeinsam möchten wir unter Anleitung bekannte Lieder anstimmen und neue entdecken, von Popsongs bis zu Volksliedern. Es geht dabei um die Freude am gemeinsamen Singen und Zusammenkommen. Niemand braucht also Vorwissen oder Erfahrung im Singen mitzubringen.

Wenn ihr Interesse habt, meldet euch gerne an unter: waageplatzviertel_singt@posteo.de
Wir freuen uns auf euch!

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein abgelegt am von .

Festliche Eröffnung: neuer Nachbarschaftstreff im Viertel

Am 30. November 2025 haben wir mit vielen Gästen festlich unseren neuen Nachbarschaftstreff in der Untere-Masch-Straße 21 eröffnet. Damit haben wir nun einen ersten eigenen Raum von und für die Nachbarschaft im Waageplatz-Viertel.

Bis zur Eröffnung war schon einiges geschehen: entrümpeln von den Bleibseln der Vormieter, weitergeben und entsorgen was wir nicht verwenden können, streichen, reinigen des Teppichs, anbringen neuer Deckenleuchten, putzen… Und einiges liegt noch vor uns: weiter einrichten mit Sitzgelegenheiten, Spielen, Stauraum, Arbeitsplatz, gemütliches Licht, Beschilderung, Fahne…

Doch dazwischen haben wir gefeiert!

Es war ein schöner, herzlicher, kraftvoller Nachmittag und Abend. Das Wetter leistete seinen Beitrag, so dass wir uns auch gut vor dem Treff aufhalten konnten. Nach unserer Eröffnungsrede gab es Grußworte u.a. von Gemeinsam für Witzenhausen und der Nachbarschaftsinitiative Nordstadt/Weende.

Wir haben heiße Crêpes gegessen und (Logo-)Kekse, die tags zuvor nachbarschaftlich gebacken wurden, haben auf der Straße getanzt und gemeinsam unser neues Lied „Nachbarschaft“ gesungen, es erklang Geigen- und Flötenspiel, Jazz-Musik und zum krönenden Abschluss gab es eine artistische Feuer- und Lichtshow von Bernd van Verven. Die AGs des Forum Waageplatz-Viertel waren ansprechbar und wieder gab es viel zu erzählen und voneinander zu hören, sich kennenlernen, Verabredungen treffen, spielen u.v.m.

Nachbar:innen finanzieren die Miete für unseren selbstorganisierten Nachbarschaftstreff über Raumpatenschaften. Sei dabei und richte einen kleinen Dauerauftrag auf das Konto des gemeinnützigen Vereins ein:
Forum Waageplatz e.V. | IBAN DE25 4306 0967 1330 9234 00

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein abgelegt am von .