Das Forum Waageplatz-Viertel gewinnt den Deutschen Nachbarschaftspreis 2026
Schon seit 2017 machen wir hier selbstbestimmt gesellschaftliche Arbeit in unserer Nachbarschaft. Was mit politischer Arbeit und einer Demo gegen ein geplantes Hostel in der alten JVA und dem Fordern einer Verkehrsberuhigung in unseren Straßen begonnen hat, ist längst eine vielfältige, organisierte Nachbarschaft von Vielen für Viele geworden. Ob Mietberatung, Masch-Kurier, Geschichts-AG, FLINTA-Gruppe, Internationales Mittwochskochen, AG Pflanzen und Ökologie, Leinekanalreinigung, Kunstwerkstatt, AG Soziales Zentrum, Unser Haus im Viertel oder Mobiles Café & Brunch in unseren Straßen und bei Kundgebungen. Ein Platz findet sich bei uns für Alle.

Im Forum Waageplatz-Viertel sind wir eine selbstorganisierte, gelebte inklusive Gemeinschaft. Eine Einladung an Bewohner*innen rund um den Waageplatz, für die Menschen und das Viertel Verantwortung zu übernehmen. Hier zu Hause zu sein.
Es ist die Möglichkeit sich einzubringen und für unsere Interessen einzustehen, die Dinge des Lebens gemeinsam selbst in die Hand zu nehmen – sich solidarisch zu organisieren und zu verteidigen, wenn es darauf ankommt. Und dies wurde nun auf Bundesebene ausgezeichnet.
Uns bestärkt, wenn wir uns in der Nachbarschaft gegenseitig unterstützen und mutig werden, schöne Momente teilen, gemeinsam kleine und große Erfolge feiern können und sehen, dass andere organisierte Nachbarschaften ähnliche Wege gehen. Sehr wichtig sind uns auch Rückmeldungen von den verschiedenen Initiativen, mit denen wir an gemeinsamen Zielen zusammenarbeiten.
Nun gibt es auch Anerkennung von anderer Seite. Die nebenan.de Stiftung und der Deutsche Städtetag haben aus insgesamt 957 Bewerbern auch dieses Jahr 16 Landessiegerprojekte des Deutschen Nachbarschaftspreises 2026 aus den Bundesländern gekürt. Und das Forum Waageplatz-Viertel ist der Landessieger Niedersachsen! Zudem haben wir als erste selbstorganisierte Nachbarschaft in Göttingen diesen Preis gewonnen.
Auszug aus der Jury-Begründung: „Das Forum Waageplatz-Viertel setzt sich mit Herzblut für mehr Gemeinschaft in seinem lokalen Umfeld ein und ist ein ermutigendes Beispiele für gelebtes Miteinander in den Nachbarschaften überall im Land.“
In unserem Selbstverständnis schreiben wir u.a.: „Das Forum Waageplatz-Viertel stärkt den sozialen Zusammenhalt, die Selbstermächtigung und Beteiligung aller. Wir schaffen offene und niedrigschwellige Räume, die aktiv inklusiv sind. Alle Nachbar*innen und insbesondere marginalisierte Gruppen sollen diese mitgestalten. Wir begegnen uns fürsorglich und wachsen miteinander. […] Wir wehren uns gegen mangelnde soziale Sicherung, strukturelle Diskriminierung und Ausbeutung.“ In den letzten Jahren haben wir immer wieder erfahren, dass es nicht selbstverständlich ist, in Vielfalt zusammenkommen zu können. Nachbar*innen wurden aus unserem Viertel verdrängt, weil sie ihre Miete nicht mehr zahlen konnten oder als Obdachlose nicht mehr in der Innenstadt leben sollten, Nachbar*innen wurden abgeschoben, regelmäßig kommen Menschen zur Nachbarschaftsküche, weil sie Hunger haben, und rechte Akteure versuchen in unserem Viertel ihre Hetze zu verbreiten. Wir hoffen, dass wir, wie viele andere, ein „ermutigendes Beispiel“ sein können, wenn wir uns zusammenschließen und auf einem vielfältigen, solidarischen Miteinander beharren. Oder wenn wir langfristig selbstverwaltete Strukturen wie das Soziale Zentrum in der alten JVA aufbauen.
Wir hoffen, alle Aktiven, Unterstützer*innen und Freund*innen unserer – wie wir finden wunderbaren – Nachbarschaft freuen sich mit uns. Die Preisverleihung findet am 17. November in Berlin statt. Davon werden wir über unsere Kanäle berichten und natürlich auch einen Erlebnisbericht im nächsten Masch-Kurier abdrucken. (aus: Masch-Kurier Nr. 12, November 2026)