{"id":894,"date":"2024-01-02T20:42:57","date_gmt":"2024-01-02T19:42:57","guid":{"rendered":"http:\/\/waageplatz-viertel.org\/?p=894"},"modified":"2024-01-02T21:31:53","modified_gmt":"2024-01-02T20:31:53","slug":"geheimnisvolle-mauer-im-wall","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/waageplatz-viertel.org\/index.php\/2024\/01\/02\/geheimnisvolle-mauer-im-wall\/","title":{"rendered":"Geheimnisvolle Mauer im Wall"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_895\" style=\"width: 1010px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-895\" class=\"size-full wp-image-895\" src=\"http:\/\/waageplatz-viertel.org\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/20231228_143111-Kopie.jpg\" alt=\"\" width=\"1000\" height=\"937\" srcset=\"https:\/\/waageplatz-viertel.org\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/20231228_143111-Kopie.jpg 1000w, https:\/\/waageplatz-viertel.org\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/20231228_143111-Kopie-300x281.jpg 300w, https:\/\/waageplatz-viertel.org\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/20231228_143111-Kopie-768x720.jpg 768w, https:\/\/waageplatz-viertel.org\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/20231228_143111-Kopie-624x585.jpg 624w\" sizes=\"auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><p id=\"caption-attachment-895\" class=\"wp-caption-text\">Mauerst\u00fcck im Wall hinter den G\u00e4rten Untere Masch Stra\u00dfe 19\/20<\/p><\/div>\n<p lang=\"en-GB\" align=\"JUSTIFY\"><span style=\"color: #000000;font-family: Times New Roman, serif;font-size: small\">An der Innenseite des Stadtwalles schaut hinter den G\u00e4rten Untere Masch\u00a0Stra\u00dfe\u00a019\/20 ein kurzes M\u00e4uerchen aus dem Hang. Es ist etwa 1 m lang, ragt knapp 30 cm aus dem Boden und besteht aus zwei Lagen von k\u00f6rnigen Kunststeinen. Die Steine sind je 11 cm hoch und 25 cm breit. Die untere Lage reicht noch etwa 20 cm weiter nach Nordosten. Daneben steckt ein Muschelkalkstein in der Erde, der leicht schr\u00e4g zu dem M\u00e4uerchen ausgerichtet ist. Auf der gegen\u00fcberliegenden Seite des Walls, also an der Berliner Stra\u00dfe, ragen zwei St\u00fctzpfeiler aus dem Mauerwerk. Dazwischen ist ein vermauerter, schmaler Eingang zu sehen. Unten gibt es einen verschlossenen Stahlrahmen. Die St\u00fctzpfeiler sind die Reste eines Rundturmes, wie sie in unregelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden rings um den Wall platziert waren. Ein solcher Turm hat sich am Schw\u00e4nchenteich noch erhalten. Der Bismackturm bei der Odilienm\u00fchle ist ein besonders gro\u00dfer Turm mit polygonalem Umriss. Der Turm an der Berliner Stra\u00dfe hatte einen inneren Durchmesser von 5,25 m und eine Gesamtgr\u00f6\u00dfe von 9 m, bei knapp 1,90 m dicken Mauern. Durch den Wall f\u00fchrte von der Maschstra\u00dfe her ehemals ein Gang, um Schie\u00dfpulver und Munition in den Turm bringen zu k\u00f6nnen. Zwei solche G\u00e4nge dienen noch im Botanischen Garten als Verbindungsweg zwischen den Gew\u00e4chsh\u00e4usern an der Unteren Karsp\u00fcle und dem Garten im einstigen Stadtgraben. Der Turm an der Maschstra\u00dfe sicherte die nordwestliche Ecke des \u00e4u\u00dferen Stadtwalles. An der geraden Kurtine (Mauer zwischen zwei Bastionen) bis zum Leinekanal gab es zwei weitere T\u00fcrme. Die Mauerans\u00e4tze des westlichen Zwischenturmes sind noch hinter der Imbissbude unter dem Efeu zu entdecken. Die Pl\u00e4ne aus dem 18. Jahrhundert zeigen, dass von der H\u00f6he des Walles ein Weg zu den T\u00fcrmen f\u00fchrte: er erm\u00f6glichte den Zugang in das Obergeschoss bzw. das Dachgeschoss. Der Gang an der Unteren Masch Stra\u00dfe wurde offenbar im 20. Jahrhundert vermauert. Ein kleines Loch in dem Mauerwerk an der Berliner Stra\u00dfe verr\u00e4t, warum: Der Gang dient als Unterschlupf f\u00fcr Flederm\u00e4use, die nat\u00fcrlich nicht gest\u00f6rt werden sollen. Abends sieht man sie oft durch die G\u00e4rten fliegen.<\/span><\/p>\n<div id=\"attachment_896\" style=\"width: 1010px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-896\" class=\"size-full wp-image-896\" src=\"http:\/\/waageplatz-viertel.org\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/20231031_154252-Kopie.jpg\" alt=\"\" width=\"1000\" height=\"621\" srcset=\"https:\/\/waageplatz-viertel.org\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/20231031_154252-Kopie.jpg 1000w, https:\/\/waageplatz-viertel.org\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/20231031_154252-Kopie-300x186.jpg 300w, https:\/\/waageplatz-viertel.org\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/20231031_154252-Kopie-768x477.jpg 768w, https:\/\/waageplatz-viertel.org\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/20231031_154252-Kopie-624x388.jpg 624w\" sizes=\"auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><p id=\"caption-attachment-896\" class=\"wp-caption-text\">Die Stadtmauer zur Berliner Stra\u00dfe zu. A: St\u00fctzpfeiler, B: vermauerter Durchgang, C: kleinteiliges Kalksteinmauerwerk (hinter dem Busch), D: Mauerwerk aus Sandsteinquadern und Kalksteinen.<\/p><\/div>\n<div id=\"attachment_897\" style=\"width: 1765px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-897\" class=\"size-full wp-image-897\" src=\"http:\/\/waageplatz-viertel.org\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/Wallturm_Plan_klein_Farbig2-txt.jpg\" alt=\"\" width=\"1755\" height=\"1467\" srcset=\"https:\/\/waageplatz-viertel.org\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/Wallturm_Plan_klein_Farbig2-txt.jpg 1755w, https:\/\/waageplatz-viertel.org\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/Wallturm_Plan_klein_Farbig2-txt-300x251.jpg 300w, https:\/\/waageplatz-viertel.org\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/Wallturm_Plan_klein_Farbig2-txt-768x642.jpg 768w, https:\/\/waageplatz-viertel.org\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/Wallturm_Plan_klein_Farbig2-txt-1024x856.jpg 1024w, https:\/\/waageplatz-viertel.org\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/Wallturm_Plan_klein_Farbig2-txt-624x522.jpg 624w\" sizes=\"auto, (max-width: 1755px) 100vw, 1755px\" \/><p id=\"caption-attachment-897\" class=\"wp-caption-text\">Planskizze der Nordwestecke des Stadtwalles mit den St\u00fctzpfeilern (A) und dem vermauerten Durchgang (B, E); gr\u00fcn: Wall, C: kleinteiliges Kalksteinmauerwerk, D: Mauerwerk aus Sandsteinquadern und Kalksteinen.<\/p><\/div>\n<p lang=\"en-GB\" align=\"JUSTIFY\"><span style=\"color: #000000\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif\"><span style=\"font-size: small\">Die Anf\u00e4nge der \u00e4u\u00dferen Stadtbefestigung reichen in die Mitte des 14. Jahrhunderts zur\u00fcck. Zuvor stellte die innere Mauer, von der noch ein Turm in der Turmstra\u00dfe aufrecht steht, die Altstadt. Vor den Toren hatten sich jedoch bald Vorst\u00e4dte entwickelt; seit dem sp\u00e4ten 13. Jahrhundert etwa im Bereich der Neustadt. Der Herzog und prominente B\u00fcrger wetteiferten hier um die Ansiedlung von Handwerkern, besonders Wollenwebern. Die herzogliche Neustadt wurde schlie\u00dflich 1319 von der Stadt aufgekauft. Die Herz\u00f6ge hatten zuvor offenbar versucht, eine offene, nur schwer zu verteidigende Einfahrt in die Stadt zu schaffen, wobei die Marktstra\u00dfe von Sankt Gallen vermutlich als Vorbild diente. Der Trichter ist noch gut an der Kommende und der gegen\u00fcberliegenden Bauflucht der Groner-Tor-Stra\u00dfe zu erahnen. Der Ratsherr Heidenreich Bernhardi schob diesem Bem\u00fchen jedoch ein Riegel vor, indem er 1293 an der \u201cKuhleine\u201d ein Hospital stiftete. Der Hof des Hospitals ragte etwa auf H\u00f6he der Sparkasse weit in den geplanten Stra\u00dfentrichter hinein; das Hauptgeb\u00e4ude erhob sich im Bereich des jetzigen Gehweges. Die neue Befestigung schloss au\u00dferdem das \u201cAlte Dorf\u201d an der Langen Geismarstra\u00dfe und das \u201calte Weender Dorf\u201d im Bereich der Unteren Karsp\u00fcle mit ein. <\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p lang=\"en-GB\" align=\"JUSTIFY\"><span style=\"color: #000000\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif\"><span style=\"font-size: small\">Anfangs handelte es sich nur um einen kleinen Wallgraben, der sp\u00e4ter durch eine Mauer verst\u00e4rkt wurde. Ab 1442-1463 wurde die Stadtbefestigung massiv ausgebaut. Damals bedrohten die Kroaten, die von der Soester Fehde heimkehrten, die Gebiete im s\u00fcdlichen Niedersachsen. Sie raubten und pl\u00fcnderten die D\u00f6rfer und kleineren St\u00e4dte. Aber auch andere Konflikte bedrohten die Stadt. Zudem setzten sich in dieser Zeit zunehmend die Gesch\u00fctze in der Kriegf\u00fchrung durch. Deshalb wurde der Wall erh\u00f6ht, Gesch\u00fctzt\u00fcrme mit Schie\u00dfkammern errichtet und Torbollwerke angelegt. Von ihnen hat sich nichts erhalten, aber ihre Grundrisse sind \u00fcberliefert. Vor den eigentlichen Toren befanden sich kleine Vorh\u00f6fe, durch die die Stra\u00dfe in einem geknickten Verlauf gef\u00fchrt wurde, damit man nicht geradewegs durch die Tore in die Stadt schie\u00dfen konnte. Au\u00dferdem standen 20 Bergfriede im Verlauf des Walles. 1533-1577 wurde der Abschnitt zwischen der Angerstra\u00dfe und dem Ausfluss des Leinekanals erneut verst\u00e4rkt, wobei man sogar alte Grabsteine vermauerte. Damals f\u00fcrchtete die Stadt, die 1529 zum protestantischen Glauben \u00fcbergetreten war, von den katholischen Truppen etwa des Herzogs Heinrich des J\u00fcngeren von Wolfenb\u00fcttel erst\u00fcrmt zu werden. Diese Bauphasen sind auch an dem Turm in der Berliner Stra\u00dfe abzulesen. Das Mauerwerk an dem Tunnelausgang besteht aus gro\u00dfen Sandsteinquadern und Kalksteinen. Seitlich schlie\u00dft sich ein kleinteiliges, sorgf\u00e4ltigeres Kalksteinmauerwerk an. Demnach wurde der Walldurchgang nachtr\u00e4glich eingebaut. Dabei verwendete man jedes Baumaterial, dessen man habhaft werden konnte \u2013 ob einer der gro\u00dfen Sandsteine einmal als Grabplatte gedient hatte?<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p lang=\"en-GB\" align=\"LEFT\"><span style=\"color: #000000\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif\"><span style=\"font-size: small\"><i>Hans Reuther, Architektur des Mittelalters und der fr\u00fchen Neuzeit, in: Dietrich Denecke\/ Helga Maria K\u00fchn, G\u00f6ttingen. Geschichte einer Universit\u00e4tsstadt, Band 1: Von den Anf\u00e4ngen bis zum Ende des Drei\u00dfigj\u00e4hrigen Krieges (G\u00f6ttingen 1987), S. 530-570, bes. S. 562-569.<\/i><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<div id=\"attachment_898\" style=\"width: 1160px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-898\" class=\"size-full wp-image-898\" src=\"http:\/\/waageplatz-viertel.org\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/Merian_G\u00f6ttingen_Wikipedia-Maschwiese.jpeg\" alt=\"\" width=\"1150\" height=\"666\" srcset=\"https:\/\/waageplatz-viertel.org\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/Merian_G\u00f6ttingen_Wikipedia-Maschwiese.jpeg 1150w, https:\/\/waageplatz-viertel.org\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/Merian_G\u00f6ttingen_Wikipedia-Maschwiese-300x174.jpeg 300w, https:\/\/waageplatz-viertel.org\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/Merian_G\u00f6ttingen_Wikipedia-Maschwiese-768x445.jpeg 768w, https:\/\/waageplatz-viertel.org\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/Merian_G\u00f6ttingen_Wikipedia-Maschwiese-1024x593.jpeg 1024w, https:\/\/waageplatz-viertel.org\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/Merian_G\u00f6ttingen_Wikipedia-Maschwiese-624x361.jpeg 624w\" sizes=\"auto, (max-width: 1150px) 100vw, 1150px\" \/><p id=\"caption-attachment-898\" class=\"wp-caption-text\">Ausschnitt aus dem Merianstich von 1641 mit dem Wallabschnitt zwischen Groner Tor und dem Ausfluss des Leinekanals in die Gro\u00dfe Masch (links; Quelle: Wikipedia). Es sind nicht alle T\u00fcrme abgebildet; der Eckturm sah aber wohl wie einer der beiden T\u00fcrme rechts aus.<\/p><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>An der Innenseite des Stadtwalles schaut hinter den G\u00e4rten Untere Masch\u00a0Stra\u00dfe\u00a019\/20 ein kurzes M\u00e4uerchen aus dem Hang. Es ist etwa 1 m lang, ragt knapp 30 cm aus dem Boden und besteht aus zwei Lagen von k\u00f6rnigen Kunststeinen. Die Steine sind je 11 cm hoch und 25 cm breit. 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