{"id":867,"date":"2023-11-29T22:04:01","date_gmt":"2023-11-29T21:04:01","guid":{"rendered":"http:\/\/waageplatz-viertel.org\/?p=867"},"modified":"2023-11-30T18:59:21","modified_gmt":"2023-11-30T17:59:21","slug":"exkursion-der-geschichts-ag-zum-kz-moringen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/waageplatz-viertel.org\/index.php\/2023\/11\/29\/exkursion-der-geschichts-ag-zum-kz-moringen\/","title":{"rendered":"Exkursion der Geschichts-AG zum KZ Moringen"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_868\" style=\"width: 910px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-868\" class=\"size-full wp-image-868\" src=\"http:\/\/waageplatz-viertel.org\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/20231125_115546-Kopie.jpg\" alt=\"\" width=\"900\" height=\"740\" srcset=\"https:\/\/waageplatz-viertel.org\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/20231125_115546-Kopie.jpg 900w, https:\/\/waageplatz-viertel.org\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/20231125_115546-Kopie-300x247.jpg 300w, https:\/\/waageplatz-viertel.org\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/20231125_115546-Kopie-768x631.jpg 768w, https:\/\/waageplatz-viertel.org\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/20231125_115546-Kopie-624x513.jpg 624w\" sizes=\"auto, (max-width: 900px) 100vw, 900px\" \/><p id=\"caption-attachment-868\" class=\"wp-caption-text\">Das Torhaus in Moringen &#8211; Sitz der KZ-Gedenkst\u00e4tte. Hier begann die F\u00fchrung.<\/p><\/div>\n<p align=\"CENTER\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">am 25.11.2023<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Zu der Exkursion der Geschichts-AG sind neun Nachbar*innen mitgekommen. <\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Durch den Ort f\u00fchrte uns Annegrit Berghof von der \u201eLagergemeinschaft und Gedenkst\u00e4tte KZ Moringen e.V.\u201c. Bei kaltem Wind n\u00e4herten wir uns in mehreren Etappen dem Baukomplex. Zun\u00e4chst bot Annegrit beim Torhaus, dem Sitz der Gedenkst\u00e4tte, eine allgemeine Einf\u00fchrung. Weitere Stationen befanden sich an der Ecke zur \u201eWaisenmauer\u201c, wo sich ehemals das Barackenlager befand, und bei der Anstaltskapelle. Im Vorraum der ehemaligen Kommanadantur, der heutigen Pflegeschule, befindet sich jetzt der Gedenkraum. An den Seiten lassen sich unter langen Tischplatten Schubladen mit Infotexten \u00f6ffnen. Im Treppenhaus steht im ersten Stock ein gro\u00dfes Modell des Lagers im Ma\u00dfstab 1:160 und das Modell einer Baracke, das die gedr\u00e4ngte Situation mit den vielen Mehretagenbetten und den eng bestuhlten Esstischen im \u00e4u\u00dferen Barackenlager illustriert. Aus einem Saal kann man dann in den Hof des Geb\u00e4udekomplexes blicken, der nicht \u00f6ffentlich zug\u00e4nglich ist. Das KZ bestand aus der \u201eKommandantur\u201c im ehemaligen Waisenhaus \u2013 einem gro\u00dfen, mehrst\u00f6ckigen, barocken Steingeb\u00e4ude mit Au\u00dfentreppe an der Fassade und einem Prunkportal \u2013 , sowie zwei hofseitigen Fl\u00fcgelbauten: Dem \u201eZellenbau\u201c im Norden, einem zweist\u00f6ckigen Backsteinbau aus dem sp\u00e4ten 19. Jahrhundert, in dem die M\u00e4nner untergebracht waren, und einem niedrigeren Geb\u00e4udekomplex im S\u00fcden, der die W\u00e4scherei, Heizung und Werkstatt enthielt. An den \u201eZellenbau\u201c schloss sich nach Osten das etwas niedrigere \u201eFrauenhaus\u201c an. N\u00f6rdlich erstreckte sich das Barackenlager, das separat mit Stacheldraht und einem Hundzwinger umgeben war und von Wacht\u00fcrmen aus kontrolliert wurde.<\/span><\/span><\/p>\n<div id=\"attachment_869\" style=\"width: 910px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-869\" class=\"size-full wp-image-869\" src=\"http:\/\/waageplatz-viertel.org\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/signal-2023-11-28-21-08-29-055-Kopie.jpg\" alt=\"\" width=\"900\" height=\"445\" srcset=\"https:\/\/waageplatz-viertel.org\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/signal-2023-11-28-21-08-29-055-Kopie.jpg 900w, https:\/\/waageplatz-viertel.org\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/signal-2023-11-28-21-08-29-055-Kopie-300x148.jpg 300w, https:\/\/waageplatz-viertel.org\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/signal-2023-11-28-21-08-29-055-Kopie-768x380.jpg 768w, https:\/\/waageplatz-viertel.org\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/signal-2023-11-28-21-08-29-055-Kopie-624x309.jpg 624w\" sizes=\"auto, (max-width: 900px) 100vw, 900px\" \/><p id=\"caption-attachment-869\" class=\"wp-caption-text\">Modell des Konzentrationslagers Moringen im Treppenhaus der Pflegeschule. Das &#8222;Frauenhaus&#8220; steht hinten rechts, links davon der gro\u00dfe &#8222;Zellenbau&#8220; (Aufnahme: Robin Wellendorf).<\/p><\/div>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Es gab in Moringen nacheinander drei unterschiedliche Konzentrationslager, die die Entwicklung dieser Institution illustrieren: seit dem 11. April 1933 ein allgemeines KZ f\u00fcr M\u00e4nner, ab Oktober\/November ein Frauen-KZ und ab 1940 bis 1945 ein Jugend-KZ. Nach dem Krieg waren in Moringen Displaced Persons (DP) untergebracht, etwa ehemalige KZ-H\u00e4ftlinge aus den befreiten Lagern in Osteuropa. Lange Zeit kam es nicht zu einer Aufarbeitung der NS-Verbrechen, weil viele Einwohner stark in die Arbeit des KZ involviert waren. Erst in den 1980er Jahren begann der Pfarrer der Stadt, nachdem er im Kirchenbuch die Eintragungen von Bestattungen auf dem Friedhof entdeckt hatte, die Aufarbeitung einzufordern. 1989 schenkte die Stadt das \u00f6stliche Torhaus im Norden der Stadt der Gedenkst\u00e4tten-Initiative. 1993 wurde dort die Gedenkst\u00e4tte eingerichtet. Die ehemaligen Inhaftierten wurden in der Stadt noch lange als \u201eKriminelle\u201c stigmatisiert, der Gedenkstein auf dem Friedhof abwertend als \u201eKommunistenstein\u201c bezeichnet. Mittlerweile ist die Gedenkarbeit aber fest etabliert. Leider kommt es immer noch zu faschistischen Schmierereien, zuletzt im August 2023. Die Insassen des Ma\u00dfregelvollzugs, der heute in den Geb\u00e4uden untergebracht ist, wissen meist \u00fcber die Vergangenheit der Anlage Bescheid. So wird beispielsweise regelm\u00e4\u00dfig ein Theaterst\u00fcck zum Jugend-KZ aufgef\u00fchrt.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Die Geschichte des KZ Moringen begann im April 1933, nachdem infolge des Reichstagsbrandes am 28. Februar 1933 ca. 80.000 Oppositionelle inhaftiert worden waren. Dabei handelte es sich meist um M\u00e4nner aus S\u00fcdniedersachsen, die der SPD, den Kommunisten und der Gewerkschaft angeh\u00f6rt hatten. Anfangs f\u00fchrte die \u00f6rtliche Polizei die Aufsicht, aber nach einem Hungerstreik \u00fcbernahm im August 1933 die SS das Kommando. Ab diesem Zeitpunkt wurde die Behandlung ruppiger, und es kam h\u00e4ufig zu Misshandlungen. Die Insassen wurden ab Oktober in andere KZ abtransportiert. <\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Ab Oktober\/November 1933 wurden speziell Frauen in Moringen interniert, wobei es sich zun\u00e4chst um politische H\u00e4ftlinge handelte (zu den den ersten z\u00e4hlte die Kommunistin Hannah Vogt, die aus Osterode nach Moringen verlegt wurde). Nunmehr befanden sich in Moringen Frauen aus dem gesamten Reichsgebiet in Haft. Zeitweise wurden 90% der H\u00e4ftlinge von Zeuginnen Jehovas gestellt. Durch das \u201eGesetz gegen heimt\u00fcckische Angriffe auf Staat und Partei\u201c vom 20.12.1934 wurde die Gruppe der Inhaftierten sehr viel \u201ebunter\u201c, da nun einfache Denunziationen ausreichten, um eingesperrt zu werden; zudem gab es Remigrantinnen, also zur\u00fcckgekehrte J\u00fcdinnen, die erneut abgeschoben oder deportiert werden sollten, Arbeitsverweigerinnen (die z.B. nicht das faschistische Winterhilfswerk oder den Luftschutz unterst\u00fctzen wollten), Lesben und \u201eRassensch\u00e4nderinnen\u201c, also Frauen, die einen Juden geheiratet hatten. Ansonsten wurden j\u00fcdische Menschen nicht prim\u00e4r ihres Glaubens bzw. ihrer Herkunft wegen in Moringen eingesperrt. <\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Die Frauen wurden im hinteren n\u00f6rdlichen Trakt festgehalten und besa\u00dfen einen eigenen Hof f\u00fcr den Freigang. Im Erdgeschoss des Geb\u00e4udes war die Verwaltung untergebracht, im ersten und zweiten Obergeschoss diente je ein Saal als Aufenthaltsraum w\u00e4hrend des Tages, und unter dem Dach befand sich der Schlafsaal. Dort gab es nur einen Toilettenk\u00fcbel, und der Saal war nicht beheizt. Das Dach war l\u00f6cherig, weshalb es im Winter hineinschneite. Im Tagesraum gab es nur St\u00fchle ohne Lehne, weshalb sich die Gefangenen mit den R\u00fccken aneinander setzen mussten. Es gab kaum M\u00f6glichkeiten zur Besch\u00e4ftigung, au\u00dfer \u201efrau\u201c organisierte sich eine Handarbeit (lediglich im Sommer und Herbst wurden die Frauen gelegentlich zur Feldarbeit nach drau\u00dfen geschickt). Gespr\u00e4che waren verboten, w\u00e4hrend im Schlafsaal geredet werden durfte. Daher fand hier das soziale Leben statt. Die Frauen entwickelten eine starke Solidarit\u00e4t untereinander; sie bildeten \u201eFamilien\u201c, die sich besonders eng umeinander k\u00fcmmerten. Es war erlaubt, von au\u00dfen Nahrungsmittel zu empfangen, was aufgrund der kargen Ern\u00e4hrung im KZ eine wichtige Unterst\u00fctzung darstellte. Auch Briefe konnten gesendet und empfangen werden. Die Briefe von Hannah Vogt wurden als Buch publiziert. Kam eine Todesnachricht, etwa vom Mann einer Insassin, trauerten alle gemeinsam, wie f\u00fcr den Kommunisten Hans Beimler. 1938 wurden die Frauen auf andere KZ verteilt, besonders Lichtenburg bei Prettin und Ravensbr\u00fcck.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Die dritte Phase des KZ Moringen begann 1940 mit der Einrichtung des \u201eJugendschutzlagers\u201c, das bis 1945 bestand. Nun wurden \u201eschwer erziehbare\u201c Jugendliche in Moringen inhaftiert, die aus Heimen in ganz Europa stammten. Durch den \u201eKriminalbiologen\u201c Robert Ritter, der in Berlin am Werderschen Markt 5-6 seinen Sitz hatte, wurden die Jugendlichen in mehrere Gruppen eingeteilt: \u201eSt\u00f6rer\u201c, \u201eGelegenheits-Versager\u201c, \u201eDauer-Versager\u201c, \u201eErziehungsf\u00e4hige\u201c, \u201efraglich Erziehungsf\u00e4hige\u201c und \u201eStapo-Personen\u201c, also politische H\u00e4ftlinge (Widerst\u00e4ndler, Swing-Jugend u.a.). Diese Gruppen waren in dem nun errichteten Barackenlager untergebracht. Die Zuweisung zu einer der Gruppen entschied \u00fcber die individuelle Behandlung: Die H\u00e4ftlinge in den \u201eVersager-Bl\u00f6cken\u201c wurden besonders stark misshandelt, und sie wurden zu schwerer k\u00f6rperlicher Zwangsarbeit eingesetzt, etwa beim Autobahnbau, in der Heeresmunitionsanstalt Volpriehausen oder im Piller-Werk in Moringen. Formen der Misshandlung bestanden z.B. in stundenlangem Stehen auf dem Appellhof oder Auspeitschen vor den anderen Mith\u00e4ftlingen. Die SS betrieb zudem eine Folterkammer im \u201eLazarett\u201c. Eine Entlassung kam nur bei den \u201eErziehungsf\u00e4higen\u201c gelegentlich vor; die anderen wurden allenfalls in andere KZ \u00fcberwiesen.<\/span><\/span><\/p>\n<div id=\"attachment_870\" style=\"width: 910px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-870\" class=\"size-full wp-image-870\" src=\"http:\/\/waageplatz-viertel.org\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/20231125_124149-Kopie.jpg\" alt=\"\" width=\"900\" height=\"511\" srcset=\"https:\/\/waageplatz-viertel.org\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/20231125_124149-Kopie.jpg 900w, https:\/\/waageplatz-viertel.org\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/20231125_124149-Kopie-300x170.jpg 300w, https:\/\/waageplatz-viertel.org\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/20231125_124149-Kopie-768x436.jpg 768w, https:\/\/waageplatz-viertel.org\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/20231125_124149-Kopie-624x354.jpg 624w\" sizes=\"auto, (max-width: 900px) 100vw, 900px\" \/><p id=\"caption-attachment-870\" class=\"wp-caption-text\">Vom Hauptgeb\u00e4ude des Konzentrationslagers aus (links), dem ehemaligen Waisenhaus, wurden die jugendlichen Zwangsarbeiter durch die Hauptstra\u00dfe der Stadt zu ihren Einsatzorten getrieben. Im Foyer des Geb\u00e4udes befindet sich heute die Gedenkst\u00e4tte (Aufnahme: Thomas K\u00fcntzel).<\/p><\/div>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Grundlage der von Robert Ritter betriebenen \u201eKriminalbiologie\u201c war die Annahme, dass die Neigung zum Begehen von Verbrechen vererbt werde, ja sogar, dass man sie den Menschen \u201eam Gesicht ablesen\u201c k\u00f6nne. Deshalb wurden Sch\u00e4del und K\u00f6rper vermessen, um die Physiognomien von Verbrechern schon fr\u00fchzeitig \u201eerkennen\u201c zu k\u00f6nnen. Beispielsweise galten enge Augenbrauen als Erkennungsmerkmal. Zudem wurde die Herkunft von Straft\u00e4tern untersucht, um \u201eminderwertige Sippschaften\u201c zu ermitteln, aus denen besonders wahrscheinlich Kriminelle hervorzugehen schienen. Von diesem Ansatz aus war es nur ein kleiner Schritt, die Sterilisation der so ermittelten \u201egeborenen Verbrecher\u201c zu fordern und auch zu realisieren. Dies wurde z.B. an der Universit\u00e4tsklinik G\u00f6ttingen durchgef\u00fchrt (bekannt sind mindestens 22 F\u00e4lle). Ein besonderes Interesse hatte Robert Ritter an der Untersuchung von \u201eZigeunern\u201c.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Das Besondere am KZ Moringen war nicht nur die Lage im Zentrum der Stadt, sondern auch die enge Verflechtung in personeller Hinsicht: Viele Einwohner arbeiteten in der Anstalt. Das Barackenlager der dritten KZ-Phase war von au\u00dfen gut einsehbar, w\u00e4hrend der alte Baukomplex eher in sich abgeschlossen war. In dieser Phase zogen die ausgemergelten Jugendlichen t\u00e4glich zum Arbeitseinsatz durch die Hauptstra\u00dfe der Stadt. Damals war die Haftanstalt l\u00e4ngst in der Stadt etabliert: das Waisenhaus, das 1732-39 eingerichtet worden war, bestand nur bis 1818. Danach wurden in dem Geb\u00e4ude Polizeih\u00e4ftlinge untergebracht. Ab 1871 gab es in den nunmehr stark erweiterten Geb\u00e4uden ein \u201eWerkhaus\u201c nach englischem Muster, in welchem \u201earbeitsscheue\u201c und \u201easoziale\u201c Personen, Obdachlose und Prostituierte durch einen straffen Tagesablauf und praktische T\u00e4tigkeiten (wie Korbflechten) zu n\u00fctzlichen Gliedern der Gesellschaft umerzogen werden sollten. Bereits diese Einrichtung war eine \u201etotale Institution\u201c, deren Insassen meist eingewiesen wurden und nicht wussten, wann sie wieder freikamen. Sie trugen eine schwarze Anstaltskleidung, die sie noch in den 30er\/40er Jahren von den KZ-H\u00e4ftlingen unterschied. Die KZ-Insassen distanzierten sich absch\u00e4tzig von den \u201eWerkh\u00e4uslern\u201c und wollten nichts mit ihnen zu tun haben, handelte es sich bei den H\u00e4ftlingen doch oft um Arbeiter oder Intellektuelle mit hohem Arbeitsethos. F\u00fcr die Gottesdienste, an denen die Insassen des Werkhauses zwangsweise teilnehmen mussten, wurde 1880 eine Kapelle aus Sandsteinquadern errichtet.<\/span><\/span><\/p>\n<div id=\"attachment_871\" style=\"width: 910px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-871\" class=\"size-full wp-image-871\" src=\"http:\/\/waageplatz-viertel.org\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/20231125_123255-Kopie.jpg\" alt=\"\" width=\"900\" height=\"768\" srcset=\"https:\/\/waageplatz-viertel.org\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/20231125_123255-Kopie.jpg 900w, https:\/\/waageplatz-viertel.org\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/20231125_123255-Kopie-300x256.jpg 300w, https:\/\/waageplatz-viertel.org\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/20231125_123255-Kopie-768x655.jpg 768w, https:\/\/waageplatz-viertel.org\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/20231125_123255-Kopie-624x532.jpg 624w\" sizes=\"auto, (max-width: 900px) 100vw, 900px\" \/><p id=\"caption-attachment-871\" class=\"wp-caption-text\">Moringen: Blick von der Waisenhausmauer von au\u00dfen auf die Kapelle und den Zellenbau (Aufnahme: Thomas K\u00fcntzel).<\/p><\/div>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Nach der F\u00fchrung in Moringen fuhren alle gemeinsam nach Fredelsloh, um sich im Caf\u00e9 Klett aufzuw\u00e4rmen und sich mit Suppe, Kuchen und Eis zu st\u00e4rken. Hannes Klett, der zu den Gr\u00fcndungsmitgliedern der Gedenkst\u00e4tten-Initiative geh\u00f6rt und u.a. das Torhaus mit ausgebaut hat, war leider nicht im Haus. Gro\u00dfe Achtung vor seinem Engagement!<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"RIGHT\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Thomas K\u00fcntzel<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><i>Literatur<\/i><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Auftakt des Terrors. Fr\u00fche Konzentrationslager im Nationalsozialismus (Ulm 2023).<a href=\"https:\/\/www.gedenkstaettenforum.de\/aktivitaeten\/auftakt-des-terrors-fruehe-konzentrationslager-im-nationalsozialismus\">https:\/\/www.gedenkstaettenforum.de\/aktivitaeten\/auftakt-des-terrors-fruehe-konzentrationslager-im-nationalsozialismus<\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Hans Hesse (Hg.), Hoffnung ist ein ewiges Begr\u00e4bnis. Briefe von Dr. Hannah Vogt aus dem gerichtsgef\u00e4ngnis Osterode und dem KZ Moringen 1933 (Bremen 1998).<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Jutta von Freyberg, Ursula Krause-Schmitt, Frauen im Konzentrationslager 1933-1945: Moringen, Lichtenburg, Ravensbr\u00fcck. Lesebuch zur Ausstellung (Frankfurt 1997).<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Hans Hesse\/ Jens Christian Wagner, Das fr\u00fche KZ Moringen (April-November 1933), \u201eein an sich interessanter psychologischer Versuch\u201c (Moringen 2003).<\/span><\/span><\/p>\n<p>\u201e<span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Wir hatten noch gar nicht angefangen zu leben\u201c. Eine Ausstellung zu den Jugend-Konzentrationslagern Moringen und Uckermark 1940-1945 (Moringen 1992).<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Christian K\u00e4mmerer\/ Peter Ferdinand Lufe<\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">n, Denkmaltopographie <\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Bundesrepublik Deutschland. Baudenkmale in Niedersachsen, Band 7.1: Landkreis Northeim. S\u00fcdlicher Teil mit den St\u00e4dten Hardegsen, Moringen, Northeim und Uslar, den Flecken Bodenfelde und N\u00f6rten-Hardenberg, der Gemeinde Katlenburg-Lindau und dem Gemeindefreien Gebiet Solling (Br<\/span><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">aunschweig 2002), S. 156. online: <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><a href=\"https:\/\/digi.ub.uni-heidelberg.de\/diglit\/dtbrd_nds_bd7_1\/0160\/image,info\">https:\/\/digi.ub.uni-heidelberg.de\/diglit\/dtbrd_nds_bd7_1\/0160\/image,info<\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><a href=\"https:\/\/www.gedenkstaette-moringen.de\/\">https:\/\/www.gedenkstaette-moringen.de<\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><a href=\"https:\/\/www.memorialmuseums.org\/denkmaeler\/view\/16\/KZ-Gedenkst%C3%A4tte-Moringen\">https:\/\/www.memorialmuseums.org\/denkmaeler\/view\/16\/KZ-Gedenkst\u00e4tte-Moringen<\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><a href=\"http:\/\/www.erinnernsuedniedersachsen.de\/orte-h-m-moringen-7.html\">http:\/\/www.erinnernsuedniedersachsen.de\/orte-h-m-moringen-7.html<\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Zum Feind gemeacht. Das Jugend-KZ Moringen. G\u00fcnther Discher. <a href=\"https:\/\/zumfeindgemacht.de\/orte\/jugend-kz-moringen\/\">https:\/\/zumfeindgemacht.de\/orte\/jugend-kz-moringen\/<\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Frauen-KZ Moringen. Radio-\u00dcbrigens. Die Vergangenheit lehrt uns vieles \u00fcber die Zukunft, 26.1.2002, Netzversion: 8. Juni 2013, Teil 1: <a href=\"http:\/\/www.radio-uebrigens.de\/?p=253\">www.radio-uebrigens.de\/?p=253<\/a>, Teil 2, 2. Februar 2001: <a href=\"http:\/\/www.radio-uebrigens.de\/?p=250\">http:\/\/www.radio-uebrigens.de\/?p=250<\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_872\" style=\"width: 910px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-872\" class=\"size-full wp-image-872\" src=\"http:\/\/waageplatz-viertel.org\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/20231126_052956-Kopie.jpg\" alt=\"\" width=\"900\" height=\"954\" srcset=\"https:\/\/waageplatz-viertel.org\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/20231126_052956-Kopie.jpg 900w, https:\/\/waageplatz-viertel.org\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/20231126_052956-Kopie-283x300.jpg 283w, https:\/\/waageplatz-viertel.org\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/20231126_052956-Kopie-768x814.jpg 768w, https:\/\/waageplatz-viertel.org\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/20231126_052956-Kopie-624x661.jpg 624w\" sizes=\"auto, (max-width: 900px) 100vw, 900px\" \/><p id=\"caption-attachment-872\" class=\"wp-caption-text\">Annegrit Berghoff, unsere kundige F\u00fchrerin durch das Gel\u00e4nde des KZ Moringen (Aufnahme: Thomas K\u00fcntzel).<\/p><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>am 25.11.2023 Zu der Exkursion der Geschichts-AG sind neun Nachbar*innen mitgekommen. Durch den Ort f\u00fchrte uns Annegrit Berghof von der \u201eLagergemeinschaft und Gedenkst\u00e4tte KZ Moringen e.V.\u201c. Bei kaltem Wind n\u00e4herten wir uns in mehreren Etappen dem Baukomplex. Zun\u00e4chst bot Annegrit beim Torhaus, dem Sitz der Gedenkst\u00e4tte, eine allgemeine Einf\u00fchrung. 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