{"id":724,"date":"2023-06-24T20:51:55","date_gmt":"2023-06-24T18:51:55","guid":{"rendered":"http:\/\/waageplatz-viertel.org\/?p=724"},"modified":"2023-12-29T10:53:41","modified_gmt":"2023-12-29T09:53:41","slug":"hieroglyphen-zwischen-schweinestaellen-der-aegyptologe-heinrich-brugsch-in-der-unteren-masch-strasse","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/waageplatz-viertel.org\/index.php\/2023\/06\/24\/hieroglyphen-zwischen-schweinestaellen-der-aegyptologe-heinrich-brugsch-in-der-unteren-masch-strasse\/","title":{"rendered":"Hieroglyphen zwischen Schweinest\u00e4llen? &#8211; Der \u00c4gyptologe Heinrich Brugsch in der Unteren Masch Stra\u00dfe"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_726\" style=\"width: 766px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-726\" class=\"size-full wp-image-726\" src=\"http:\/\/waageplatz-viertel.org\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/Bildschirmfoto-2023-05-10-um-18.09.35-Kopie.png\" alt=\"\" width=\"756\" height=\"562\" srcset=\"https:\/\/waageplatz-viertel.org\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/Bildschirmfoto-2023-05-10-um-18.09.35-Kopie.png 756w, https:\/\/waageplatz-viertel.org\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/Bildschirmfoto-2023-05-10-um-18.09.35-Kopie-300x223.png 300w, https:\/\/waageplatz-viertel.org\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/Bildschirmfoto-2023-05-10-um-18.09.35-Kopie-624x464.png 624w\" sizes=\"auto, (max-width: 756px) 100vw, 756px\" \/><p id=\"caption-attachment-726\" class=\"wp-caption-text\">Pylon des Tempels von Hibe in der Oase El Khargeh (Charga), aus: H. Brugsch, Reise nach der gro\u00dfen Oase El Khargeh, 1878, Taf. 4 (gdz.sub.uni-goettingen.de)<\/p><\/div>\n<p>In den Erinnerungen ber\u00fchmter Literaten des 19. Jahrhunderts kommt G\u00f6ttingen nicht immer gut weg: Das Urteil Heinrich Heines \u00fcber die \u201eG\u00f6ttinger W\u00fcrste und die Universit\u00e4t\u201c ist ber\u00fcchtigt, und die Schilderung des bedeutenden Pharaonenforschers Brugsch steht ihm kaum nach: Die W\u00fcnsche der G\u00f6ttinger an das Dasein seien bescheiden, die Wirkung der kleinen Stadt mit ihrem \u201ebeengenden Halsring\u201c, dem Stadtwall (der damals noch die Grenze zum Umland markierte) auf den weitgereisten, in Berlin aufgewachsenen Gelehrten \u201eabspannend\u201c. Das Bestreben der Stadtbewohner sei nur darauf aus, ein Zimmer des Vorderhauses an einen zahlungskr\u00e4ftigen Studenten zu vermieten und im Hinterhaus ein \u201egreulich stinkendes Schwein\u201c zu halten (S. 274). W\u00e4hrend sich Heinrich Brugsch bem\u00fchte, sein Alt\u00e4gyptisch- und Hieroglyphen-W\u00f6rterbuch zu schreiben, k\u00e4mpfte er gegen die Fliegen und litt unter dem Gestank der \u201ewidrigen, grunzenden Gesellschaft\u201c, die seine Nachbarn im Garten hielten. Die Fenster seines Hauses, das auf dem Grundst\u00fcck der Nr. 16 (damals Nr. 17) stand, blieben deshalb meist geschlossen. Besonders im Sommer litten seine Geruchsnerven, und er sehnte sich nach den \u201ereinen L\u00fcften unter dem blauen Himmel des Niltals\u201c. Dabei war seine Nachbarschaft durchaus anregend, wohnte doch nur wenige H\u00e4user weiter der Historiker und Hebr\u00e4ist Heinrich Ewald, mit dem er sich angeregt austauschte, obwohl Ewald aufgrund seines verbissenen Charakters und seiner Abneigung gegen Preu\u00dfen gef\u00fcrchtet war; auch mit dem Sanskritforscher Benfey sowie den Physikern W\u00f6hler, Weber und Listing pflegte er freundlichen Umgang. Den Astronomen Klinkerfues bewunderte er als \u201eWitzbold sondergleichen\u201c. Die Vorlesungen von Heinrich Brugsch waren mit bis zu 500 Zuh\u00f6rern gut besucht, und sie wurden scherzhaft als \u201eSommertheater der alma mater\u201c bezeichnet. In seiner Biographie nehmen die G\u00f6ttinger Jahre aber nur wenig Raum ein, denn er erz\u00e4hlte am liebsten von seinen Forschungsreisen nach \u00c4gypten und Persien, \u00fcber die er auch spezielle B\u00fccher geschrieben hat. Umgekehrt ist Brugsch in der interessierten \u00d6ffentlichkeit kein besonders bekannter Name, obwohl er bahnbrechendes f\u00fcr die Erforschung der antiken Kultur im Niltal geleistet hat. Schon als 16-j\u00e4hriger Abiturient entschl\u00fcsselte er 1848 mit Hilfe des Steins von Rosette und zahlreichen Inschriften, die er per Hand im Berliner Museum in Monbijou abgeschrieben hatte, die demotische Sprache und Schrift, die gewisserma\u00dfen eine Sp\u00e4tform der Hieroglyphen und des Alt\u00e4gptischen darstellt. Dies erregte die Aufmerksamkeit von Alexander von Humboldt, der sein F\u00f6rderer wurde, w\u00e4hrend der \u00c4gyptologe Karl Richard Lepsius nicht viel von seinen Kenntnissen hielt. Er warf ihn sogar aus seiner Vorlesung und hintertrieb seine Promotion, aber Brugsch absolvierte schlie\u00dflich doch an der Universit\u00e4t Berlin sein Studium.<!--more--><\/p>\n<div id=\"attachment_727\" style=\"width: 914px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-727\" class=\"size-full wp-image-727\" src=\"http:\/\/waageplatz-viertel.org\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/Serapeum_of_Saqqara_Overview_Map-Kopie.png\" alt=\"\" width=\"904\" height=\"1039\" srcset=\"https:\/\/waageplatz-viertel.org\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/Serapeum_of_Saqqara_Overview_Map-Kopie.png 904w, https:\/\/waageplatz-viertel.org\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/Serapeum_of_Saqqara_Overview_Map-Kopie-261x300.png 261w, https:\/\/waageplatz-viertel.org\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/Serapeum_of_Saqqara_Overview_Map-Kopie-768x883.png 768w, https:\/\/waageplatz-viertel.org\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/Serapeum_of_Saqqara_Overview_Map-Kopie-891x1024.png 891w, https:\/\/waageplatz-viertel.org\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/Serapeum_of_Saqqara_Overview_Map-Kopie-624x717.png 624w\" sizes=\"auto, (max-width: 904px) 100vw, 904px\" \/><p id=\"caption-attachment-727\" class=\"wp-caption-text\">Sarepaeum von Sakkarah, Plan von Auguste Mariette (https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Serapeum_of_Saqqara)<\/p><\/div>\n<p>Mit finanzieller Unterst\u00fctzung des preu\u00dfischen K\u00f6nigs reiste Brugsch 1853 erstmals nach \u00c4gypten und half mit seinen Demotisch-Kenntnissen dem franz\u00f6sischen \u00c4gyptologen Auguste Mariette in Sakkara, der u.a. durch sein Libretto f\u00fcr die Oper Aida bekannt geworden ist. Bei der Ankunft Brugsch&#8217;s war er gerade dabei, \u00e4gyptische Altert\u00fcmer nach Frankreich abzuschicken, und erwehrte sich dabei der Zugriffsversuche des t\u00fcrkischen Vizek\u00f6nigs mit Gewalt, List und Bestechung. Acht Monate wohnte Brugsch bei Mariette in der W\u00fcste bei Sakkarah; in dessen Geh\u00f6ft hauste nicht nur ein \u00e4gyptisches Wildschwein, sondern auch eine Gazelle und fast drei\u00dfig Meerkatzen, die ihn st\u00e4ndig belagerten; dazu musste Brugsch sein Zimmerchen mit Schlangen, Taranteln und Skorpionen teilen. Fenster gab es nicht, weshalb die T\u00fcr immer offen stand, um Licht einzulassen. Nachts heulten Schakale, W\u00f6lfe und Hy\u00e4nen, und Flederm\u00e4use huschten \u00fcber sein Bett hinweg. Dies konnte seine Begeisterung \u00fcber die zahlreichen demotischen Schriften jedoch nicht tr\u00fcben, die im Serapeum zutage gef\u00f6rdert wurden. Nach seiner R\u00fcckkehr wurde er 1855 Privatdozent und hielt sich mit verschiedenen T\u00e4tigkeiten, Vortr\u00e4gen und Zeitungsartikeln \u00fcber Wasser. Da traf es sich gut, dass er auf einer erneuten Reise durch Ober\u00e4gypten vom Vizek\u00f6nig Said Pascha 20.000 Franc in Gold erhielt. Bald darauf wurde er Vizekonsul in Teheran und danach preu\u00dfischer Vizekonsul in Kairo. Die aufw\u00e4ndige Lebensf\u00fchrung brachte ihm jedoch derart Schulden ein, dass er bald wieder zur\u00fcckkehrte. Ihm bot sich die M\u00f6glichkeit, mit einem Professorengehalt in Paris zu lehren, wurde aber von Richard Lepsius nach G\u00f6ttingen vermittelt, um ihn in Preu\u00dfen zu halten, und trat dort im August 1867 seine Professur an. Das Haus in der Unteren Masch Stra\u00dfe bezahlte er mit einer Vorabzahlung des Leipziger Verlages J. C. Hinrichssche Buchhandlung f\u00fcr das Manuskript des Hieroglyphischen W\u00f6rterbuches, dessen Fertigstellung bis 1882 dauern sollte. Bald darauf wurde er vom Vizek\u00f6nig Ismael Pascha als Direktor der \u00c9cole d&#8217;\u00c9gyptologie nach Kairo berufen und organisierte die Pr\u00e4sentation des Landes auf der Weltausstellung in Wien 1874 und in Philadelphia 1875. Mit dem \u00f6sterreichischen Kaiser Franz Josef, der 1869 zur Er\u00f6ffnung des Suezkanals angereist war, bestieg er die Cheops-Pyramide; zwei Jahre sp\u00e4ter kletterte er auch mit dem brasilianischen Kaiser Dom Pedro d&#8217;Alcantara dort hinauf. Lediglich im Sommer kehrte er nach G\u00f6ttingen zur\u00fcck, um seine Vorlesungen zu halten; au\u00dferdem lebten seine Frau, seine Mutter, sein j\u00fcngerer Bruder und seine drei Kinder dort. 1876, als \u00c4gypten in den Staatsbankrott geschlittert war, kehrte Brugsch nach Berlin zur\u00fcck. Das Haus in der Unteren Masch Stra\u00dfe 16 verkaufte er. Brugsch habilitierte sich ein zweites Mal und lehrte ab 1881\/82 als Privatdozent, erlangte jedoch aufgrund eines Missverst\u00e4ndnisses nicht die erhoffte Professur. 1882\/83 begleitete er daf\u00fcr Prinz Friedrich Karl von Preu\u00dfen auf seiner Orientreise.<\/p>\n<div id=\"attachment_725\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-725\" class=\"wp-image-725 size-medium\" src=\"http:\/\/waageplatz-viertel.org\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/Bildschirmfoto-2023-06-24-um-19.35.48-Kopie-300x291.png\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"291\" srcset=\"https:\/\/waageplatz-viertel.org\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/Bildschirmfoto-2023-06-24-um-19.35.48-Kopie-300x291.png 300w, https:\/\/waageplatz-viertel.org\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/Bildschirmfoto-2023-06-24-um-19.35.48-Kopie-624x605.png 624w, https:\/\/waageplatz-viertel.org\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/Bildschirmfoto-2023-06-24-um-19.35.48-Kopie.png 648w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><p id=\"caption-attachment-725\" class=\"wp-caption-text\">Darstellung eines K\u00f6nigs auf der Hungersnot-Stele auf der Insel Sehel, aus: H. Brugsch, Die biblischen sieben Jahre der Hungersnot, 1892, S. 147 (google books).<\/p><\/div>\n<p>1890 machte ein Amerikaner ihn auf eine Stele auf der Insel Sehel beim 1. Katarakt (Elephantine) aufmerksam, die die sieben Hungerjahre erw\u00e4hnt, wie sie auch in der biblischen Geschichte von Josef auftauchen; Brugsch konnte die Stele aber in ptolem\u00e4ische Zeit datieren, also sp\u00e4ter als den Bibeltext. Er verfasste daraufhin zwei B\u00fccher, eins zu der Stele und ein eher popul\u00e4res Werk, in welchem er auf Zusammenh\u00e4nge zwischen Passagen in der Bibel und alt\u00e4gyptischen Glaubensvorstellungen hinweist. Schon in seiner \u201eGeschichte Aegypten&#8217;s unter den Pharaonen\u201c (1877) war er Analogien zwischen der Erz\u00e4hlung von Josef und seinen Br\u00fcdern und der Fremdherrschaft der Hyksos nachgegangen. Er beschrieb damals eine Grabinschrift in der Nekropole El-Kab bei Edfu, in der Kammer des Baba, einem Hauptmann des K\u00f6nigs Seqenenre Taa III. aus der XVII. Dynastie. Darin wird eine langj\u00e4hrige Hungersnot erw\u00e4hnt, in der der Verstorbene seine Vorr\u00e4te austeilte. Die Entstehung f\u00e4llt ungef\u00e4hr in die Zeit Josefs. Die Studien h\u00e4tten Heinrich Ewald, seinem Nachbarn in G\u00f6ttingen, sicher gefallen (wenn sie nicht gar durch die Diskussionen mit ihm angeregt worden sind); Ewald war jedoch schon 1875 gestorben. Brugsch selbst starb kurze Zeit nach der Ver\u00f6ffentlichung seiner Autobiographie 1894 in Berlin.<\/p>\n<div id=\"attachment_852\" style=\"width: 454px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-852\" class=\"size-full wp-image-852\" src=\"http:\/\/waageplatz-viertel.org\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/Untere-Masch-Stra\u00dfe-Gesamtansichten-002-Detail_Rohns-Haeuser.jpg\" alt=\"\" width=\"444\" height=\"313\" srcset=\"https:\/\/waageplatz-viertel.org\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/Untere-Masch-Stra\u00dfe-Gesamtansichten-002-Detail_Rohns-Haeuser.jpg 444w, https:\/\/waageplatz-viertel.org\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/Untere-Masch-Stra\u00dfe-Gesamtansichten-002-Detail_Rohns-Haeuser-300x211.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 444px) 100vw, 444px\" \/><p id=\"caption-attachment-852\" class=\"wp-caption-text\">Blick in die Untere Masch Stra\u00dfe auf die Reihenh\u00e4user, die der Baumeister Ch. F. A. Rohns 1828 errichten lie\u00df. In dem Haus links hinter der Laterne wohnte H. Brugsch. Quelle: St\u00e4dtisches Museum G\u00f6ttingen.<\/p><\/div>\n<p>Anhand der alten Adressb\u00fccher aus dem 19. Jahrhundert kann man rekonstruieren, neben welchen Nachbarn Heinrich Brugsch wohnte. Es handelte sich um den Geheimen Justizrat Georg Friedrich Wilhelm Philipp August Julius Ribbentrop (1798-1874), der als Professor die G\u00f6ttinger Sieben unterst\u00fctzte, und auf der anderen Seite den G\u00e4rtner Wecker. Vermutlich standen die Schweinest\u00e4lle nicht auf dem Grundst\u00fcck des Geheimen Justizrates, aber das bleibt eine Vermutung. Brugsch erwarb das Haus von dem Geheimen Justizrat von dem Knesebeck und verkaufte es schlie\u00dflich an den Chirurgen Professor Franz K\u00f6nig, der 1875 einen Ruf nach G\u00f6ttingen erhalten hatte. Die Nachbarschaft von Heinrich Brugsch illustriert die inhomogene Sozialstruktur des Viertels: Angeh\u00f6rige der Universit\u00e4t, Anw\u00e4lte und Notare sowie Gerichtsangestellte wohnten neben Stiefelputzern, Gep\u00e4cktr\u00e4gern (&#8222;Bahnhofsassistenten&#8220;), Tischlern, Schuhmachern und Tapezierern. Gegen\u00fcber standen das st\u00e4dtische Hirten- und das Feldh\u00fcterhaus; sie mussten 1869 der Synagoge weichen.<\/p>\n<p>Eine Recherche im Stadtarchiv G\u00f6ttingen lie\u00df die Beschreibung von Heinrich Brugsch zus\u00e4tzlich in neuem Licht erscheinen. Er bewohnte offenbar ein Reihenhaus, das der Baumeister Christian Friedrich Andreas Rohns 1828 errichtet hatte, zusammen mit den beiden benachbarten Geb\u00e4uden. Rohns plante damals, &#8222;gesunde und bequeme Wohnungen f\u00fcr den Mittelstand&#8220; zu bauen, um sie zu verkaufen oder zu vermieten. Die Geb\u00e4ude waren zwar insgesamt schlicht, aber zumindest das mittlere Geb\u00e4ude (welches Heinrich Brugsch sp\u00e4ter kaufte) besa\u00df eine Durchfahrt mit seitlichen Pilastern und einem Architrav. Die H\u00e4user besa\u00dfen zwei Obergeschosse und ein ausgebautes Dachgeschoss, au\u00dferdem je ein Hinterhaus mit weiteren Wohnungen. Interessanterweise ist auf den Pl\u00e4nen von Baumeister Rohns nirgends ein Schweinestall zu finden. Die Hintergeb\u00e4ude enthielten vielmehr jeweils eine Waschk\u00fcche und eine Holzremise; lediglich das mittlere (etwas breitere) Hintergeb\u00e4ude verf\u00fcgte \u00fcber einen Pferdestall. M\u00f6glicherweise wurden die Schweinest\u00e4lle nachtr\u00e4glich eingebaut oder r\u00fcckw\u00e4rtig angebaut, denn hinter den H\u00e4usern erstreckte sich jeweils noch ein Garten bis an den Fu\u00df des Stadtwalles. Leider wurden die H\u00e4user 1944\/45 zerst\u00f6rt und Mitte der 1950er Jahre v\u00f6llig neu errichtet; nur die Fundamentmauern wurden teilweise wieder verwendet, wie man noch an einigen Stellen im Keller sehen kann. Die Hintergeb\u00e4ude wurden nicht wieder aufgebaut.<\/p>\n<div id=\"attachment_854\" style=\"width: 610px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-854\" class=\"size-full wp-image-854\" src=\"http:\/\/waageplatz-viertel.org\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/20231017_134423c-Kopie.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"387\" srcset=\"https:\/\/waageplatz-viertel.org\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/20231017_134423c-Kopie.jpg 600w, https:\/\/waageplatz-viertel.org\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/20231017_134423c-Kopie-300x194.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><p id=\"caption-attachment-854\" class=\"wp-caption-text\">Grundriss der drei Wohnh\u00e4user, die Ch. F. A. Rohns 1828 in der Unteren Masch Stra\u00dfe errichten lie\u00df. Im mittleren Haus wohnte H. Brugsch (Quelle: Stadtarchiv G\u00f6ttingen, AA 887).<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: right\"><em>Thomas K\u00fcntzel<\/em><\/p>\n<p><i>Literatur<\/i><\/p>\n<p>Heike Behlmer, Heinrich Friedrich Karl Brugsch (1827-1894), \u00c4gyptologe. Rede anl\u00e4\u00dflich der Enth\u00fcllung einer Gedenktafel am 26.09.2003, Untere Masch 16. G\u00f6ttinger Jahrbuch 51, 2003, S. 165-169.<\/p>\n<p>Heinrich Brugsch, Scriptura Aegyptiorum demotica ex papyris et inscriptionibus explanata (Berlin 1848), online:<a href=\"https:\/\/babel.hathitrust.org\/cgi\/pt?id=nyp.33433062194802&amp;view=1up&amp;seq=7\">https:\/\/babel.hathitrust.org\/cgi\/pt?id=nyp.33433062194802&amp;view=1up&amp;seq=7<\/a><\/p>\n<p>Heinrich Brugsch, Numerorum apud veteres Aegyptios demoticorum doctrina, cum V Tabulis \/ Ex papyris et inscriptionibus nunc primum illustrata (1849), digital 2008, online: <a href=\"https:\/\/gdz.sub.uni-goettingen.de\/id\/PPN563056673\">https:\/\/gdz.sub.uni-goettingen.de\/id\/PPN563056673<\/a><\/p>\n<p>Heinrich Brugsch, Inscriptio Rosettana hieroglyphica vel interpretatio decreti Rosettani sacra lingua litterisque sacris veterum Aegyptiorum redactae partis, accedunt glossarium \u00c6egyptiaco-Coptico-Latinum atque IX tabulae lithographicae textum hieroglyphicum atque signa phonetica scripturae hieroglyphicae exhibentes (Berlin 1851), online: <a href=\"https:\/\/gdz.sub.uni-goettingen.de\/id\/PPN522306977\">https:\/\/gdz.sub.uni-goettingen.de\/id\/PPN522306977<\/a><\/p>\n<p>Heinrich Brugsch, Reise der K. preussischen Gesandtschaft nach Persien 1860 und 1861, Band 1 (Leipzig 1862), online: <a href=\"https:\/\/opendata.uni-halle.de\/\/handle\/1981185920\/99768\">https:\/\/opendata.uni-halle.de\/\/handle\/1981185920\/99768<\/a>, Band 2 (1863), https:\/\/opendata.uni-halle.de\/handle\/1981185920\/101305 oder: http:\/\/resolver.sub.uni-goettingen.de\/purl?PPN354268643<\/p>\n<p>Heinrich Brugsch, Wanderung nach den T\u00fcrkis-Minen und der Sinai-Halbinsel, mit drei Tafeln sinaitischer Inschriften (Leipzig 1866), online: <a href=\"http:\/\/digi.ub.uni-heidelberg.de\/diglit\/brugsch1868b\">http:\/\/digi.ub.uni-heidelberg.de\/diglit\/brugsch1868b<\/a><\/p>\n<p>Heinrich Brugsch, Hieroglyphisch-demotisches W\u00f6rterbuch, enthaltend in wissenschaftlicher Anordnung die gebr\u00e4uchlichsten W\u00f6rter und Gruppen der heiligen und der Volks-Sprache und Schrift der alten \u00c4gypter nebst deren Erkl\u00e4rung in franz\u00f6sischer deutscher und arabischer Sprache und Angabe ihrer Verwandtschaft mit den entspr. W\u00f6rtern des koptischen und der semitischen Idiome (Leipzig 1867-1882),<\/p>\n<p>Band 1, 1867, online: <a href=\"https:\/\/digi.ub.uni-heidelberg.de\/diglit\/brugsch1867\">https:\/\/digi.ub.uni-heidelberg.de\/diglit\/brugsch1867<\/a>;<\/p>\n<p>Band 2, 1868, online: <a href=\"https:\/\/digi.ub.uni-heidelberg.de\/diglit\/brugsch1868\">https:\/\/digi.ub.uni-heidelberg.de\/diglit\/brugsch1868<\/a>;<\/p>\n<p>Band 3, 1868, online: <a href=\"https:\/\/digi.ub.uni-heidelberg.de\/diglit\/brugsch1868bd3\">https:\/\/digi.ub.uni-heidelberg.de\/diglit\/brugsch1868bd3<\/a>;<\/p>\n<p>Band 4, 1868, online: <a href=\"https:\/\/digi.ub.uni-heidelberg.de\/diglit\/brugsch1868bd4\">https:\/\/digi.ub.uni-heidelberg.de\/diglit\/brugsch1868bd4<\/a>;<\/p>\n<p>Band 5, 1880, online: <a href=\"https:\/\/digi.ub.uni-heidelberg.de\/diglit\/brugsch1880bd5\">https:\/\/digi.ub.uni-heidelberg.de\/diglit\/brugsch1880bd5<\/a>;<\/p>\n<p>Band 6, 1880, online: <a href=\"https:\/\/digi.ub.uni-heidelberg.de\/diglit\/brugsch1880bd5\">https:\/\/digi.ub.uni-heidelberg.de\/diglit\/brugsch1880bd5<\/a>;<\/p>\n<p>Band 7, 1882, online: <a href=\"https:\/\/digi.ub.uni-heidelberg.de\/diglit\/brugsch1882bd7\">https:\/\/digi.ub.uni-heidelberg.de\/diglit\/brugsch1882bd7<\/a><\/p>\n<p>Heinrich Brugsch, Geschichte Aegypten&#8217;s unter den Pharaonen, nach den Denkm\u00e4lern bearbeitet, mit 2 Karten von Unter- und Ober\u00e4gypten und 4 genealogischen Tafeln (Leipzig 1877), online: <a href=\"http:\/\/nbn-resolving.de\/urn:nbn:de:bsz:15-0011-143736\">http:\/\/nbn-resolving.de\/urn:nbn:de:bsz:15-0011-143736<\/a><\/p>\n<p>Heinrich Brugsch, Reise nach der gro\u00dfen Oase El Khargeh in der Lybischen W\u00fcste. Beschreibung ihrer Denkm\u00e4ler und wissenschaftliche Untersuchungen \u00fcber das Vorkommen der Oasen in den alt\u00e4gyptischen Inschriften auf Stein und Papyrus (G\u00f6ttingen 1878), online: <a href=\"https:\/\/gdz.sub.uni-goettingen.de\/id\/PPN522303862\">https:\/\/gdz.sub.uni-goettingen.de\/id\/PPN522303862<\/a><\/p>\n<p>Heinrich Brugsch, Thesaurus inscriptionum Aegyptiacarum (Leipzig 1883-91),<\/p>\n<p>Band 1, Astronomische und astrologische Inschriften altaegyptischer Denkmaeler, 1883, online: <a href=\"https:\/\/digi.ub.uni-heidelberg.de\/diglit\/brugsch1883bd1\">https:\/\/digi.ub.uni-heidelberg.de\/diglit\/brugsch1883bd1<\/a>;<\/p>\n<p>Band 2, Kalendarische Inschriften altaegyptischer Denkmaeler, 1883, online: <a href=\"https:\/\/digi.ub.uni-heidelberg.de\/diglit\/brugsch1883bd2\">https:\/\/digi.ub.uni-heidelberg.de\/diglit\/brugsch1883bd2<\/a>;<\/p>\n<p>Band 3: Geographische Inschriften altaegyptischer Denkmaeler, 1884, online: <a href=\"https:\/\/digi.ub.uni-heidelberg.de\/diglit\/brugsch1884bd3\">https:\/\/digi.ub.uni-heidelberg.de\/diglit\/brugsch1884bd3<\/a>;<\/p>\n<p>Band 4: Mythologische Inschriften altaegyptischer Denkmaeler, 1884, online: <a href=\"https:\/\/digi.ub.uni-heidelberg.de\/diglit\/brugsch1884bd4\">https:\/\/digi.ub.uni-heidelberg.de\/diglit\/brugsch1884bd4<\/a>;<\/p>\n<p>Band 5, Historisch-biographische Inschriften altaegyptischer Denkmaeler, 1891, online: <a href=\"https:\/\/digi.ub.uni-heidelberg.de\/diglit\/brugsch1891bd5\">https:\/\/digi.ub.uni-heidelberg.de\/diglit\/brugsch1891bd5<\/a>;<\/p>\n<p>Band 6, Bautexte und Inschriften verschiedenen Inhaltes altaegyptischer Denkmaeler, 1891, online: <a href=\"http:\/\/digi.ub.uni-heidelberg.de\/diglit\/brugsch1891bd6\">http:\/\/digi.ub.uni-heidelberg.de\/diglit\/brugsch1891bd6<\/a><\/p>\n<p>Heinrich Brugsch, Religion und Mythologie der alten Aegypter, nach den Denkm\u00e4lern bearbeitet (Leipzig 1888ff.), online: <a href=\"http:\/\/nbn-resolving.de\/urn:nbn:de:bsz:15-0011-136728\">http:\/\/nbn-resolving.de\/urn:nbn:de:bsz:15-0011-136728<\/a><\/p>\n<p>Heinrich Brugsch, Die Aegyptologie. Abriss der Entzifferungen und Forschungen auf dem Gebiete der aegyptischen Schrift, Sprache und Alterthumskunde (Leipzig 1891), online:<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/nbn-resolving.org\/urn:nbn:de:bsz:15-0011-213384\">http:\/\/nbn-resolving.org\/urn:nbn:de:bsz:15-0011-213384<\/a><\/p>\n<p>Heinrich Brugsch, Die biblischen sieben Jahre der Hungersnoth nach dem Wortlaut einer alt\u00e4gyptischen Felsen-Inschrift (Leipzig 1891), online: <a href=\"https:\/\/www.google.de\/books\/edition\/Die_biblischen_sieben_Jahre_der_Hungersn\/OZc__ukTAeEC?hl=de&amp;gbpv=1&amp;pg=PP5&amp;printsec=frontcover\">https:\/\/www.google.de\/books\/edition\/Die_biblischen_sieben_Jahre_der_Hungersn\/OZc__ukTAeEC?hl=de&amp;gbpv=1&amp;pg=PP5&amp;printsec=frontcover<\/a>; vgl. <a href=\"https:\/\/www.bibelwissenschaft.de\/wibilex\/das-bibellexikon\/lexikon\/sachwort\/anzeigen\/details\/hungersnotstele\/ch\/b4f787ad5470f2322ee1afda6571c41f\/\">https:\/\/www.bibelwissenschaft.de\/wibilex\/das-bibellexikon\/lexikon\/sachwort\/anzeigen\/details\/hungersnotstele\/ch\/b4f787ad5470f2322ee1afda6571c41f\/<\/a><\/p>\n<p>Heinrich Brugsch, Steininschrift und Bibelwort (Berlin 1891), online: <a href=\"https:\/\/babel.hathitrust.org\/cgi\/pt?id=hvd.ah541c&amp;view=1up&amp;seq=7\">https:\/\/babel.hathitrust.org\/cgi\/pt?id=hvd.ah541c&amp;view=1up&amp;seq=7<\/a><\/p>\n<p>Heinrich Brugsch, Mein Leben und Wandern (Berlin 1894). Online: <a href=\"https:\/\/digital.zlb.de\/viewer\/image\/34716015\/284-285\/\">https:\/\/digital.zlb.de\/viewer\/image\/34716015\/284-285\/<\/a><\/p>\n<p>Martha K\u00fcssner, Eine unruhige Laufbahn. G\u00f6ttinger Monatsbl\u00e4tter, November 1981, S. 5-6.<\/p>\n<p>Walter Nissen, G\u00f6ttinger Gedenktafeln: Ein biographischer Wegweiser (G\u00f6ttingen 2016), S. 39.<\/p>\n<p>Zur Beziehung zwischen Heinrich Brugsch und Carl Richard Lepsius:<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.lepsius-online.de\/index.php\/carl-richard-lepsius\/richard-lepsius-biographie\/38-zwist-mit-heinrich-brugsch\">http:\/\/www.lepsius-online.de\/index.php\/carl-richard-lepsius\/richard-lepsius-biographie\/38-zwist-mit-heinrich-brugsch<\/a><\/p>\n<p>Studierende der \u00c4gyptologie und Koptologie der Universit\u00e4t G\u00f6ttingen haben einen Stadtrundgang zur Entschl\u00fcsselung der Hieroglyphen erarbeitet:\u00a0<a href=\"https:\/\/entschluesselungsw.wixsite.com\/stadtrundganggoe\">https:\/\/entschluesselungsw.wixsite.com\/stadtrundganggoe<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In den Erinnerungen ber\u00fchmter Literaten des 19. 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