{"id":335,"date":"2022-06-16T14:20:40","date_gmt":"2022-06-16T12:20:40","guid":{"rendered":"http:\/\/waageplatz-viertel.org\/?p=335"},"modified":"2022-06-25T14:23:25","modified_gmt":"2022-06-25T12:23:25","slug":"die-masch-strassen-um-1945","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/waageplatz-viertel.org\/index.php\/2022\/06\/16\/die-masch-strassen-um-1945\/","title":{"rendered":"Eine der wenigen (Beinahe-)Zeitzeugen aus den Maschstra\u00dfen erz\u00e4hlt.."},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: center;\"><strong>Die Masch-Stra\u00dfen um 1945<\/strong><\/p>\n<p>Die Masch-Stra\u00dfen wurden in G\u00f6ttingen vergleichsweise stark zerst\u00f6rt, aber offenbar kamen nur wenige Menschen zu schaden: Beim Gebhards Hotel gab es im Wall einen Bunker, in den sich die meisten Bewohner retteten. Luftschutzkeller wie in anderen Stadtviertel gab es nicht, weil die H\u00e4user in den Masch-Stra\u00dfen durch den feuchten Untergrund nicht unterkellert waren. Mehrere Erdbunker befanden sich beim Bahnhof, f\u00fcr die Passagiere von Z\u00fcgen, die keine gro\u00dfen Bunker mehr erreichen konnten. Sie waren allerdings nicht so sicher. Eine der wenigen (Beinahe-)Zeitzeugen der Bombardierung der Maschstra\u00dfen, Helga Schmidt, heiratete zwar erst 1953 in die Masch ein, kann aber noch die Erlebnisse ihres Mannes Herbert Schmidt berichten. Er war trotz seines jungen Alters (geboren 1930) Luftschutzwart und \u00fcberlebte den Angriff nur knapp. Er lief durch die Berliner Stra\u00dfe, als er sah, wie die Bomber ihre verderbliche Last ausklinkten. Den Bunker erreichte er nicht mehr, sondern ging an der Wallmauer in Deckung. Durch die Wirkung der Bomben wurde er beinahe vom Schutt begraben. Seine Eltern \u00fcberstanden den Angriff in dem Bunker im Wall. Helga Schmidt kennt die Masch-Stra\u00dfe nur, wie sie in Tr\u00fcmmern lag. Ihr Sohn fuhr am Wall-Aufgang damals Schlitten, wie sie sich erinnert. Ab 1955 wurden die H\u00e4user wieder aufgebaut. Die Familie H., die in der Nr. 16 wohnte, r\u00e4umte vorher schon den Schutt etwas beiseite; die Hinterh\u00e4user waren ja teilweise noch bewohnbar. Mehrere der H\u00e4user stehen noch heute, etwa hinter Haus Nr. 14, 20 und 21. Auf der gegen\u00fcber liegenden Seite steht ebenfalls noch ein Hinterhaus. Die H\u00e4user bestehen meist aus Fachwerk und umgeben einen schmalen Hof. Urspr\u00fcnglich enthielten sie Werkst\u00e4tten und St\u00e4lle. Im Norden der Unteren Masch waren die niedrigen, ein- bis zweigeschossigen Vorderh\u00e4user offenbar schon im sp\u00e4ten 19. bis fr\u00fchen 20. Jahrhundert durch mehrst\u00f6ckige, hohe Neubauten ersetzt worden. Die Eltern von Herbert Schmidt waren Schuster; auf alten Fotos ist noch das Ladenschild am Haus Nr. 1 zu erkennen. Sie geh\u00f6rten zur urspr\u00fcnglichen Verband der Maschgemeinde, die 1938 aufgel\u00f6st wurde. Die Gemeinde war aus dem Dorf Burggrone entstanden, dessen Bewohner im 14. Jahrhundert an den Hasengraben und Mitte des 15. Jahrhunderts an die Maschstra\u00dfen umgesiedelt worden waren. Der Gemeindeverband, eine sogenannte Realgemeinde, besa\u00df zuletzt W\u00e4lder und Wiesen zwischen dem Hagenweg und Knutb\u00fchren, die meist verpachtet waren. Die Eink\u00fcnfte wurden unter den Mitgliedern der Gemeinde verteilt. Als letztes stie\u00df 1937 der Malermeister Garbode zu dem Verband, nachdem er die Aufnahmegeb\u00fchr bezahlt hatte. Die Zugeh\u00f6rigkeit zu der Gemeinde war an den Besitz bestimmter H\u00e4user gebunden: Kaufte jemand ein solches Haus, konnte er Teilhaber in dem Verband werden. &#8211; Hinten stie\u00df das Haus der Schmidts gegen eine Schlachterei in der Goetheallee. Helga Schmidt erinnert sich noch, wie der Schlachter mit seinem Hundegespann durch die Masch-Stra\u00dfe fuhr, da der Schlachthof im Bereich des heutigen Landgerichts stand.<\/p>\n<p>Stand: 16.6.2022 \u2013 Dr. Thomas K\u00fcntzel M.A.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Masch-Stra\u00dfen um 1945 Die Masch-Stra\u00dfen wurden in G\u00f6ttingen vergleichsweise stark zerst\u00f6rt, aber offenbar kamen nur wenige Menschen zu schaden: Beim Gebhards Hotel gab es im Wall einen Bunker, in den sich die meisten Bewohner retteten. 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