{"id":154,"date":"2017-07-31T19:38:48","date_gmt":"2017-07-31T17:38:48","guid":{"rendered":"http:\/\/waageplatz-viertel.org\/?p=154"},"modified":"2022-03-25T14:52:39","modified_gmt":"2022-03-25T13:52:39","slug":"hier-leben-wir-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/waageplatz-viertel.org\/index.php\/2017\/07\/31\/hier-leben-wir-2\/","title":{"rendered":"&#8222;Hier leben WIR!&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><strong>Worum geht&#8217;s?<br \/>\n<\/strong>Die Stadt G\u00f6ttingen hat bei der EU einen F\u00f6rderantrag gestellt. Sie wollen Geld haben, um das alte Gerichtsgef\u00e4ngnis zwischen Waageplatz und dem Platz der Synagoge zu renovieren. Die EU vergibt aber kein Geld, nur um langsam verfallende Geb\u00e4ude umzubauen. Also hat man sich ein tolles Projekt zur &#8222;Aufwertung&#8220; unseres Viertels \u00fcberlegt und unseren Stadtteil zum Problemviertel erkl\u00e4rt. Der Waageplatz wird als \u201everwahrlost\u201c bezeichnet, und mit der Sanierung eines Geb\u00e4udes soll eine \u201eTrinker- und Drogenszene\u201c verdr\u00e4ngt werden. Eine apokalyptische Sicht auf unser Viertel, die wir so gar nicht teilen k\u00f6nnen. Vielleicht geht aber dann doch auch eher um unsere \u201egeringe Kaufkraft\u201c, den hohen Anteil an Menschen mit Migrationshintergrund in attraktiver Innenstadtlage und unmittelbarer Bahnhofsn\u00e4he, die f\u00fcr die Stadt ein Problem darstellen?<\/p>\n<div id=\"Sect1\" dir=\"ltr\">\n<p><strong>Integration? Ganz sch\u00f6n billig!<br \/>\n<\/strong>Damit der Antrag bei der EU eine Chance hat, will die Stadt das Projekt als Beitrag zur Integration von Gefl\u00fcchteten pr\u00e4sentieren. Das wird konkret so aussehen, dass Gefl\u00fcchtete f\u00fcr 80 Cent in der Stunde die ansonsten teuren Renovierungsarbeiten als \u201eFortbildungsma\u00dfnahme\u201c \u00fcbernehmen sollen. F\u00fcr mehr reicht das Geld angeblich nicht. Daf\u00fcr kann sich das Projekt aber 2,5 gut bezahlte Stellen f\u00fcr \u00d6ffentlichkeitsarbeit leisten. Wir sagen: Wer von Anfang an ein faires Projekt auf die Beine stellt, muss nicht so viele Ressourcen in die Selbstvermarktung stecken!<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"Sect5\" dir=\"ltr\">\n<p><strong>Mitbestimmung: Vorher oder Nachher?<br \/>\n<\/strong>Ein weiteres Kriterium, damit die EU \u00fcberhaupt Kohle rausr\u00fcckt, ist die Beteiligung der Menschen um das Projekt herum. Von der gro\u00df angek\u00fcndigten Mitbestimmung ist bisher jedoch wenig zu sp\u00fcren. Unsere Informationen m\u00fcssen wir uns m\u00fchsam selbst zusammen suchen, unsere Mails bleiben unbeantwortet, \u00fcber neuste Entwicklungen erfahren wir aus der Zeitung. Wir wollen aber mehr, als nur im Nachhinein die Farbe der W\u00e4nde zu bestimmen! Wenn Beteiligung, dann doch bitte richtig.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"Sect7\" dir=\"ltr\">\n<p><strong>Was hei\u00dft hier Aufwertung?<br \/>\n<\/strong>Das 100 Betten-Hostel, welches in der ehemaligen JVA entstehen soll, soll unser Viertel \u201crevitalisieren\u201c, sprich aufwerten. Klingt doch erst mal super, oder? Wir wollen schlie\u00dflich alle, dass unser Viertel noch lebenswerter wird. Aufwertung im Sinne der Stadt hei\u00dft leider genau das Gegenteil: Der \u00f6konomische Wert des Viertels soll steigen, die Fassaden h\u00fcbscher werden, die Mieten werden sich erh\u00f6hen, das Leben im Viertel soll Platz machen f\u00fcr Profit. Eine Folge: Innenst\u00e4dte werden f\u00fcr Menschen mit mittlerem und geringem Einkommen immer unbewohnbarer, ganze Viertel werden zu Spekulationsobjekten. Wohnraum geht verloren, statt, wie eigentlich n\u00f6tig, neu geschaffen zu werden. Also: Wissenschaftlich gesehen ist ein st\u00e4dtisch gef\u00f6rdertes Hostel -an dieser Stelle, zu dieser Zeit- das Paradebeispiel f\u00fcr staatlich gef\u00f6rderte Gentrifizierung. Wir sagen: Anstatt die Gentrifizierung unseres Viertels noch voranzutreiben, sollte die Stadt lieber an M\u00f6glichkeiten arbeiten, genau diese Tendenzen zu verhindern!<\/p>\n<p><strong>Unsere Vereinzelung ist unsere St\u00e4rke<br \/>\n<\/strong>Solange wir alleine in unseren Wohnungen sitzen, erscheinen uns die Entwicklungen um uns herum unver\u00e4nderbar und \u00fcberm\u00e4chtig. Erst wenn wir im Viertel zusammen kommen, stellen wir fest, dass andere Menschen ganz \u00e4hnliche Probleme haben wie wir. Und wir merken auch, dass wir gemeinsam etwas ver\u00e4ndern k\u00f6nnen. Nichts steht einer schleichenden sozialen Verdr\u00e4ngung mehr entgegen, als eine gut vernetzte und organisierte Nachbarschaft. Das hat sich in der Vergangenheit in G\u00f6ttingen und anderswo immer wieder gezeigt.<a name=\"magicdomid56\"><\/a><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"Sect8\" dir=\"ltr\">\n<p><strong>Was kann ich tun?<\/strong><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"Sect10\" dir=\"ltr\">\n<ul>\n<li><a name=\"magicdomid57\"><\/a>1. Informiere dich und rede \u00fcber das Thema, mit deinen Freunden, deiner Familie, deinen Arbeitskolleg*innen und Politiker*innen. Wie die Stadt von morgen aussieht geht alle was an und muss besprochen werden!<\/li>\n<li><a name=\"magicdomid58\"><\/a>2. Vernetze dich mit deiner Nachbarschaft. Was ist EUCH wichtig? Lerne viele nette neue Leute kennen!<\/li>\n<li><a name=\"magicdomid59\"><\/a>3. Werde Mitglied in einem Mieter*innenverein. Nicht jede Mieterh\u00f6hung ist gerechtfertigt, manche kannst du mit gen\u00fcgend Know-How im R\u00fccken anfechten!<\/li>\n<li><a name=\"magicdomid62\"><\/a>4. Dich interessiert genau die Entwicklung im Waageplatzviertel? du wohnst hier? Komm zu unserem Treffen jeden Dienstag um 18h in der OM10, oder schreib uns \u00b4ne Mail an: kontakt (@) waageplatz-viertel.org<\/li>\n<\/ul>\n<p>Alle Zitate sind der deutschsprachigen Version des <a href=\"http:\/\/waageplatzviertel.noblogs.org\/files\/2017\/06\/UIA02-213-Canal-Q-Application-Form.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">UIA-Antrags zu Projekt \u201eCanal Q\u201c<\/a> entnommen.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Worum geht&#8217;s? Die Stadt G\u00f6ttingen hat bei der EU einen F\u00f6rderantrag gestellt. Sie wollen Geld haben, um das alte Gerichtsgef\u00e4ngnis zwischen Waageplatz und dem Platz der Synagoge zu renovieren. Die EU vergibt aber kein Geld, nur um langsam verfallende Geb\u00e4ude umzubauen. 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